Armut im Wirtschaftswunderland

Fleißige Helfer sortieren und portionieren bei Anlieferung in der Tafel die Lebensmittel für die bevorstehende Ausgabe. Bild: gf

Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer. Während die einen nicht mehr wissen, wie sie ihr Geld ausgeben sollen, müssen die anderen zur Tafel, weil sie keines haben, um für ihr alltägliches Leben zu sorgen.

Bernhard Saurenbach, Vorsitzender des Vereins Amberger Tafel betonte aber im ACC-Restaurant vor Mitgliedern der DGB-Ortsvereine Amberg und Amberg-Sulzbach sowie des Erwerbslosenausschusses im Verdi-Bezirk Oberpfalz, dass die Tafeln keine Almosen verteilen, sondern Lebensmittel an ihre "Kunden" günstig abgeben.

Lebensmittel im Überfluss

In Deutschland gebe es Lebensmittel im Überfluss. Aber vielen fehle ihr täglich Brot. Deshalb sammle die Tafel qualitativ hochwertige Lebensmittel, die im Wirtschaftsprozess nicht mehr Verwendung finden und verteilen diese dann an sozial und wirtschaftlich benachteiligte Menschen. Sie schaffe also eine Brücke zwischen Überfluss und Mangel, so der Amberger Tafel-Vorsitzende. Von den 82 Millionen Deutschen sei jeder Elfte auf staatliche Hilfe angewiesen, darunter drei Millionen Langzeitarbeitslose, 1,3 Millionen Arbeitnehmer mit Hartz-IV-Aufstockung, 1,8 Millionen Kinder und Jugendliche, die Sozialgeld bekommen und 400 000 Rentner, die neben der Rente Grundsicherung beziehen.

Es sei eine Schande, so Bernhard Saurenbach, dass jährlich gut 20 Millionen Tonnen Lebensmittel aus Privathaushalten im Müll entsorgt werden. Den Tafeln sei es zu verdanken, dass Zehntausende Tonnen verzehrfähiger Lebensmittel nicht vernichtet, sondern ganz unkompliziert an benachteiligte Menschen verteilt werden.

Eine bedenkliche Entwicklung sei abzusehen, so Saurenbach, denn das Spendenaufkommen steige nicht im gleichen Maße wie die Anzahl der Tafel-Kunden. Einige Supermärkte würden dazu übergehen, Lebensmittel unmittelbar vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums verbilligt zu verkaufen, andere Märkte verkaufen ihre organischen Abfälle an Biogasanlagen oder Entsorger.

Immer mehr Teilzeit

Bernhard Saurenbach kritisierte das Beschäftigungssystem in Deutschland, denn von den 42,1 Millionen Arbeitnehmern hätten 2,7 Millionen nur einen befristeten Arbeitsvertrag, fünf Millionen seien Teilzeitbeschäftigte, 2,5 Millionen gelten als geringfügig Beschäftigte, außerdem gebe es 750 000 Zeitarbeiter. Während die Zahl der Vollbeschäftigten in den vergangenen zehn Jahren um 19 Prozent gesunken sei, habe es bei der Teilzeitbeschäftigung ein Plus von 117 Prozent gegeben.

Die Amberger Tafel sei vor neun Jahren gegründet worden, gut 90 Helfer würden hier etwa 9200 bedürftige Personen aus Amberg und dem Umland versorgen. Drei Kühltransporter befördern laut Saurenbach jährlich bei einer Gesamtfahrleistung von 43 000 Kilometern gut 350 Tonnen Lebensmittel, die auf 31 000 Warenkörben verteilt werden. Derzeit habe die Amberger Tafel knapp über 200 Mitglieder.
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