Armutsrisiko noch viel größer

Die neue Führungsmannschaft der Amberger Tafel ist zugleich die alte (von links): Kassier Günter Preißl, Vorsitzender Bernhard Saurenbach, seine Stellvertreterin Irmgard Buschhausen, Schriftführerin Maria Frohmann und Beisitzer James Burke. Bild: Huber

Singles, Ehepaare, Alleinerziehende, Rentner, denen das Geld für den Ruhestand hinten und vorne nicht reicht: Für viele von ihnen ist die Amberger Tafel eine segensreiche Einrichtung. Deren Vorsitzender Bernhard Saurenbach befürchtet, dass künftig noch mehr Leute auf Unterstützung angewiesen sein werden.

Eine positive Bilanz ihrer Arbeit zogen die Verantwortlichen der Tafel mit Bernhard Saurenbach an der Spitze bei der Jahreshauptversammlung am Mittwochabend in der Alten Kaserne. Die typischen Tafelkunden beziehen nach Worten des Vorsitzenden so genannte Transferleistungen. Vielfach seien es Langzeitarbeitslose, Arbeitnehmer mit Niedriglohn (Aufstocker), Kinder und Jugendliche aus bedürftigen Familien, Senioren mit Mindestrente ("Da haben wir ganz, ganz viele") und Alleinerziehende - insgesamt 702 Haushalte. Vor allem für Alleinerziehende sieht Saurenbach ein großes Armutsrisiko.

"Gottseidank Mindestlohn"

Exakt 922 Tafeln gibt es bundesweit, in Bayern sind es 165. Der Vorsitzende legte bei der Versammlung auch einige Forderungen an die Politik vor. "Wir bräuchten in Amberg einen Armutsbeauftragten beziehungsweise einen Armutsbericht, aber da weigert sich die Stadt seit Jahren." Froh zeigte er sich, dass es jetzt den Mindestlohn von 8,50 Euro gibt: "Da sage ich Gott sei dank." Für Kinder aus sozial schwächeren Familien und von Asylbewerbern wären Ganztagsschulen wünschenswert.

Es sei schon richtig, dass es aktuell so viele Erwerbstätige wie nie zuvor gebe, "doch in den letzten zehn Jahren sind die Arbeitsstunden pro Person weiter runtergegangen", führte Saurenbach aus. Die Vollzeitbeschäftigung habe sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten um 19 Prozent reduziert. Es gebe mehr Teilzeit-Beschäftigte, stark gestiegen sei die atypische Beschäftigung, wozu Saurenbach die Leiharbeit zählt. In den nächsten 20 Jahren sieht der Tafel-Vorsitzende eine Welle der Armut auf die Gesellschaft zukommen - die Altersarmut, wenn Menschen nach der Erwerbstätigkeit sofort in die Grundsicherung rutschen. "Das Renten-Niveau wird bis 2030 auf 43 Prozent sinken", prognostizierte er. "Wer 35 Jahre lang Vollzeit gearbeitet und 2500 Euro brutto verdient hat, bekommt eine Rente von 688 Euro." Dies sei genau der Betrag der Grundsicherung.

Auch mit der privaten Vorsorge sei es so eine Sache, viele könnten sich dies nicht leisten. "Wer unter 1000 Euro hat, kann nicht zusätzlich noch riestern", stellte Saurenbach klar. Den Mitgliedern gab er die Hartz-IV-Sätze bekannt: 399 Euro für Alleinstehende, zwischen 234 und 320 Euro für Kinder, je nach Alter. Saurenbach forderte, dass der Betrag auf 460 bis 480 Euro angehoben werde. Erst dann sei für die Betroffenen ein "annehmbares Leben möglich".

Knapp 100 Helfer

Saurenbach sprach die Dokumentationspflicht ("Wir müssen zum Beispiel täglich die Temperatur der Kühlanlage eintragen") und die jährlichen Besuche des Ordnungsamtes an. "Von der Sauberkeit und der Ordnung her sind wir eine Mustertafel", sagte Saurenbach und fügte hinzu: "Wir haben schöne Räumlichkeiten, da können wir dankbar sein." Der Vorsitzende erwähnte noch die Wunschbaumaktion zu Weihnachten und den Besuch von Topmodel Barbara Meier bei der Tafel. 95 ehrenamtliche Helfer arbeiten 22 000 Stunden im Jahr für die Einrichtung.

Im Schnitt kämen 285 Kunden pro Tag, die Spitzentage seien Gründonnerstag und die Weihnachtsausgabe, informierte der Vorsitzende. Von den Menschen, die die Tafel unterstützt, sind 70 Prozent aus Amberg, 17 Prozent aus Sulzbach-Rosenberg und der Rest über den ganzen Landkreis verteilt. (Hintergrund)
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