"Arsen und Spitzenhäubchen": Ein Klassiker feiert Premiere am Erasmus-Gymnasium - ...
Weltberühmter schwarzer Humor

Die Oberstufen-Theatergruppe des EG hatte viel Spaß am Spiel. Bild: Hartl
Der amerikanische Schriftsteller Joseph Kesselring verfasste sein berühmtestes Theaterstück "Arsen und Spitzenhäubchen" im Jahr 1939. Ab 1944 wurde es weltbekannt - nämlich in dem gleichnamigen Film mit Cary Grant und unter der Regie von Frank Capra.

Gegen dieses Vorbild anzuspielen, war schon besonders mutig von der Oberstufen-Theatergruppe des Erasmus-Gymnasiums und ihrer Leiterin Elisabeth Bremer. Aber gelohnt hat es sich jedenfalls, den engagierten Schülern zuzusehen, wie sie bei aller (beabsichtigten) Konfusion der schwarzhumorigen Handlung dem Publikum den nötigen Durchblick vermittelten und dabei über die Rampe brachten, wie viel Vergnügen ihnen selbst das Verwirrspiel um die Familie mit den seltsamen Vorlieben bereitete.

Angenehmer Tod

Da sind zunächst die beiden alten Damen, die nicht nur die Spitzenkragen tragen, auf die im Titel angespielt wird, sondern auch mit dem Fingerspitzengefühl der feinen Köchinnen das Arsen so zu dosieren vermögen, dass ihre Opfer (einsame, alte Männer) eines angenehmen Todes sterben. Diese Mischung aus frommem Mitleid und robuster Rücksichtslosigkeit stellten Lea Dotzler (Abby) und Franziska Rampf (Martha) sehr gewandt dar. Neffe Mortimer (überzeugend von Julian Prechtl verkörpert) ist völlig außer sich, als er das dunkle Geheimnis seiner Tanten entdeckt, und er befürchtet, dass er seine gerade geschlossene Verlobung mit Ellen (reizend: Nina McAllister) wieder lösen muss, um sie vor dem Chaos dieser Familie zu bewahren.

Doch es kommt noch schlimmer: Neben Mortimers Bruder Teddy, der sich für Präsident Roosevelt hält (mit stürmischem Schwung: Samy Stadler), gibt es auch noch den Bruder Jonathan, der eine mörderische Karriere auf mehreren Kontinenten hinter sich hat (passend furchteinflößend: Luca Baumgärtner) und von einem ständig betrunkenen Arzt begleitet wird, der ab und zu Jonathans Gesicht umoperieren muss. Stephanie Bieda überzeugte hier als Dr. Einstein.

Dass momentan sowohl Abby und Martha als auch Jonathan gerade wieder eine Leiche verschwinden lassen wollen, sorgt für einige brenzlige Situationen, denn ständig kommt jemand ins Zimmer, der diese Leiche nicht sehen soll - vor allem die freundlichen Polizisten, die gewohnheitsmäßig zu den Tanten zum Kaffee vorbeischauen.

Eine Lösung für einige der angedeuteten Probleme zeichnet sich ab, als Teddy, Abby und Martha sich bereiterklären, in ein Sanatorium zu ziehen, und Jonathan von der Polizei abgeführt wird. Doch auch ganz am Schluss wird dies noch einmal in Frage gestellt, als die Tanten dem hilfsbereiten Heimleiter Witherspoon (sehr freundlich: Amelia Wismeth) ihren vergifteten Holunderwein anbieten.

In weiteren Rollen wirkten engagiert mit: Timo Schmid, Lena Czarnec, Carolin Wolf, Susanne Schneider, Antonia Tschierschke und Maximilian Knab.

Publikum sehr angetan

Zum Gesamteindruck trug die Einrichtung des Wohnzimmers bei (samt Sitzgarnitur aus dem Besprechungszimmer der Schule) sowie die geschickte Nutzung der Seitenabgänge - nach links hinab zum "Keller", in dem Teddy am "Panama-Kanal" weitergrub, um dort dann auf Bitten der Tanten die Leichen zu bestatten. Und nach rechts die Treppe hinauf zu Teddys Zimmer, die mit Trompetensignal und Sturm-Kommando erklommen werden musste.

Das Publikum zeigte sich von der turbulenten Komödie sehr angetan und spendete herzlichen Applaus, auch der Spielleiterin Elisabeth Bremer, für die das Stück eine Premiere in dieser Funktion war. Man kann auf die weiteren Produktionen unter ihrer Leitung gespannt sein.
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