Auf den Landstraßen zu schnell

"Mehrere glückliche Umstände" waren nach Einschätzung der Polizei dafür verantwortlich, dass bei diesem Unfall niemand gestorben ist: Am 15. September 2014 um 20.30 Uhr fuhr eine 55-jährige Ambergerin an der Anschlussstelle Amberg-Süd falsch auf die Autobahn. Wenig später prallte ihr Auto mit einem tschechischen Sattelzug zusammen. Die Frau stand erheblich unter Alkoholeinwirkung. Archivbild: gf

Statistiken sind Momentaufnahmen. "Im Jahr 2014 war kein Unfalltoter zu beklagen", freuten sich am Mittwoch die Verantwortlichen der Verkehrspolizeiinspektion Amberg. Heuer starben auf der Autobahn A 93 schon zwei Menschen.

Die VPI (und mit ihr die nachgeordnete Autobahnpolizeistation Schwandorf) ist für 112,1 Autobahnkilometer zuständig: 66,6 auf der A 6 zwischen den Anschlussstellen Alfeld und Leuchtenberg, 45,5 auf der A 93 zwischen Wernberg-Köblitz und Ponholz. Als der Leiter der Inspektion, Erster Polizeihauptkommissar Friedrich Böhm, am Mittwoch die Verkehrsstatistik 2014 präsentierte, hielt er fest, dass dort immer mehr Fahrzeuge unterwegs seien.

Auf der A 6 sei das Verkehrsaufkommen in den vergangenen vier Jahren um fast 14 Prozent gestiegen. Im Schnitt sind es in 24 Stunden beinahe 20 500 Kfz in beiden Fahrtrichtungen. 30,8 Prozent sind Lkw. "Ein enormer Anteil. Die Ost-West-Route trägt dazu bei", sagte Böhm. Auf der A 93 liegt er lediglich bei 14,6 Prozent, ansonsten ist auf dieser Autobahn jedoch deutlich mehr los: rund 42 300 Fahrzeuge täglich, ein Plus von 5,6 Prozent seit dem Jahr 2010.

Telefonieren am Steuer

Wer beim Autofahren mit Handy am Ohr erwischt wird, muss zahlen: seit Mai 2014 nicht mehr 50, sondern 60 Euro. "Das hat nicht zu einem signifikanten Rückgang geführt", berichtete VPI-Leiter Friedrich Böhm. Seine Beamten notierten 255 Verstöße.

Geschwindigkeitsmessungen

"Auf den Landstraßen wird zu schnell gefahren", lautet die Erkenntnis von Böhm. Mit technischem Gerät hat die VPI in den Landkreisen Amberg-Sulzbach und Schwandorf sowie im Amberger Stadtgebiet 455 000 Fahrzeuge gemessen. Fast 12 000 überschritten die zulässige Höchstgeschwindigkeit um mehr als 11 km/h. Krasse Negativbeispiele: ein BMW am Nachmittag des Pfingstmontags auf der B 85 im Bereich Ebermannsdorf mit 193 km/h, ein Mercedes an einem Freitagvormittag im Juni in Auerbach mit 191 km/h, ein Motorrad an einem Sonntagnachmittag im Juli auf der Staatsstraße bei Ensdorf mit 215 km/h. "Das ist unverantwortliche Raserei", kommentierte Böhm.

Sicherheitsabstand

Böhm stellte kein gutes Zeugnis aus: "Pkw- und Lkw-Fahrer sind nicht vernünftiger geworden. Abstand ist auch wieder eine Riesenunfallursache." Hausner pflichtete ihm bei: "Es hat sich nicht gebessert."

Schleierfahndung

Die Fahndung- und Kontrollgruppe Verkehr konzentriert sich im Zuge der sogenannten Schleierfahndung vor allem auf reisende Straftäter. Hier "kommt das berühmte Näschen" zum Tragen, betonte Böhm. 2014 seien erneut beachtliche Erfolge gelungen. So wurden bei Illschwang an der Rastanlage Oberpfälzer Alb zwei Bulgaren geschnappt, die sackweise Diebesgut aus Wohnungseinbrüchen in Unterfranken im Auto hatten.

Fluchtfahnder

Bei der VPI arbeiten zwei erfahrene Beamte als Fluchtfahnder. Sie unterstützen bei Unfallfluchten die aufnehmenden Beamten der jeweiligen Polizeiinspektion durch Ermittlungen und Recherchen in einer speziellen Datei. Die Aufklärungsquote: über 44 Prozent, was in den Augen von Böhm und seinen Kollegen "gut" ist. Auch hier gelte wie in anderen Bereichen: "Ein gewisser Verunsicherungseffekt trägt Früchte."
Weitere Beiträge zu den Themen: März 2015 (9461)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.