Auf den Spuren der Eselsbrücke

Die Tragfähigkeit der Krambrücke wurde mit einer Dampfwalze getestet. Wie sich herausstellte, senkte sich das Steinbauwerk dabei um zwei Zentimeter, richtete sich danach aber wieder auf - wenn auch nicht ganz: Fünf Millimeter Stauchung sind geblieben.
 
Der Lederersteg ist eine der Amberger Brücken, die ein Dach haben. Sein Name erinnert heute noch daran, dass hier einst Ambergs Handwerkerviertel war. Bild: Petra Hartl

Sie bewarfen sich mit glühenden Kohlen: Ein gefährliches Spiel mit dem Feuer bescherte den Ladenbetreibern auf der Krambrücke einst fast einen Platzverweis. Geschichten wie diese erzählt Hannelore Zapf, wenn sie Einheimische und Touristen über Ambergs Brücken führt. Und ihnen dabei auch eine echte Eselsbrücke vorstellt.

Die berühmten sieben Brücken - Amberg hat sie. Das schien dem einstigen Leiter der Tourist-Info, Heinrich Scharf, so bemerkenswert, dass er dazu einen eigenen Rundgang anbieten wollte. Stadtführerin Hannelore Zapf griff die Idee auf - und machte sich daran, den Besonderheiten der geschichtsträchtigen Wege über die Vils nachzuspüren.

Zapf nutzt als Quelle gern die beiden bekannten Stadt-Chronisten Michael Schwaiger, der 1564 Ambergs erste Bestandsaufnahme verfasst hat, und Johann Kaspar von Wiltmaister. Schwaiger beispielsweise berichtet 1564 von je drei begeh- und befahrbaren Brücken über die Vils. Die erste, die Zapf bei ihrem Stadtrundgang vorstellt, gab es damals noch nicht.

Die Kurfürstenbrücke beim gleichnamigen Bad wurde erst 1960 gebaut. Ein schmuckloser Zweckbau aus Beton. Trotzdem birgt er eine Besonderheit, einen Brückenheiligen ("Hungriger Nepomuk"). Es gab mindestens zwei Vorgängerbauten, damals noch außerhalb der Stadt.

Der Jüngere der beiden stammte von 1896 und war Ambergs erster Betonbau. Zur Landesgartenschau 1996 wurde unter die Fahrzeugbrücke noch eine für Fußgänger gehängt - sie kann hochgezogen werden, um die Plätten passieren zu lassen.

Brille ist auch eine Brücke

Die Stadtbrille ("keine Brücke, über die man jeden Tag geht") heißt offiziell Brückentorbau. "Sie wurde im Zuge der Stadterweiterung, als das Amberger Ei entstand, zur Sicherung der Schwachstelle errichtet. Man musste sich ja irgendwas einfallen lassen, wie man die Stadtmauer über die Vils zieht." Zapf illustriert ihre Ausflüge in die Geschichte immer wieder mit historischen Fotos. Und mit dem Plan, den der Maler Hans Kannlpaldung 1589 vom Bereich zwischen Zeughaus und Kurfürstlichem Schloss gezeichnet hat.

Amberg, die Hafenstadt

Darauf zu sehen ist auch die Schiffbrücke - allerdings ohne Dach. Davon ist erst 1719 erstmals die Rede, bei Wiltmaister. Dieser Fußgängersteg hatte verschiedene Namen. Fischbrücke hieß er, weil hier die Fischgasse war. Dass der Steg ein wenig "hochbeinig" ist, hat seinen Grund: "Hier war der Amberger Hafen, da mussten die Schiffe durch, deshalb musste auch die Brücke etwas höher sein", erklärt Zapf.

Unterschiedliche Namen hatte auch der Martinssteg, früher Kirchsteg, Martins- oder Schulbrücke, weil diese zum Eichenforst führte, wo im 15. Jahrhundert die Schule war. Aus den Ratsbüchern weiß Zapf, dass hier einst Krämer ihre Waren verkauften. Damals sei der Übergang breiter und bedeutender gewesen als heute, schließlich führte er zum Martinsfriedhof hinter der Basilika.

Die Brücken-Händler mussten Gebühren bezahlen, damals ein fester Bestandteil des Stadt-Etats. Die alte Brücke an dieser Stelle hatte sogar ein Dach. Diese gibt es noch: Das Holz-Exemplar, das durch eines aus Stahl ersetzt wurde, überspannt heute den Stadtgraben am Malteser.

Sowohl bei Wiltmaister als auch bei Schwaiger war die Krambrücke die wichtigste in Amberg - im Ei ist sie es immer noch. Nicht nur als Fußgängerverbindung, sondern auch, weil unter ihr Versorgungsleitungen verlaufen. Die aktuelle Version von 1988 kann befahren werden, um den Lieferverkehr der Geschäfte zu ermöglichen. Laut Dollacker gab es hier bereits um 1100 eine Brücke, die erste aus Stein und schon damals ein wichtiger Verkehrsweg. Ihren Namen hat die Krambrücke, weil es hier einst acht Kramläden gab, vier auf jeder Seite - "ein Einkaufszentrum".

Die Mühle aus Kindertagen

"Es war auch das Kommunikationszentrum, da hat man sich getroffen, geplauscht und nebenbei eingekauft." Früher hieß sie auch Fleischbrücke, erzählt Zapf, "weil hier die Fleischbänke waren, also Schlachthäuser: Das war recht praktisch, weil die Abfälle gleich in der Vils landeten." Die Läden der Krambrücke wurden öfter aktenkundig, weil es Ärger gab ("Spiel mit dem Feuer").

Der benachbarte Netzersteg trägt in seinem Namen die (heute nicht mehr existente) untere Mühle, die Netzermühle. Zapf kennt sie noch aus Kindertagen, damals wurde sie nicht mehr mit Wasserkraft, sondern mit Öl betrieben. "Das hat getobt und gestaubt hier."

Der Fluss im Korsett

Nächste Station ist der Lederersteg. Die aktuelle Version mit Holzdach stammt von 1978. An dieser Stelle verlief einmal die erste Stadtbefestigung. Hier floss die Vils in die Stadt hinein. Der Name Lederersteg erinnert daran, dass hier einst das Handwerkerviertel war. Der Fluss folgte damals dem heutigen Verlauf der Mühlgasse. Bis 1934/35, als das Park-Theater gebaut wurde: Damals wurde die Vils in das Betonbett gezwängt, in dem sie bis heute steckt. Man tat dies in der Hoffnung, so den Wasserspiegel zu senken und die Überflutungsgefahr zu verringern.

Nur noch auf Bildern existiert die letzte Querung, auf die Zapf hinweist - die Brücke bei der oberen Mühle, an der Ecke, wo heute das AZ-Verlagsgebäude steht. Ursprünglich aus Holz, wurde sie durch eine Eisenkonstruktion ersetzt. Besonders elegant sollte diese geschwungen sein - und war aber so steil, dass sie bei Eis und Schnee nicht benutzbar war.

Ein Konstruktionsfehler, der behoben wurde, indem man sie nachträglich tiefer setzte. Ihren Spitznamen hatte sie damit weg: die Eselsbrücke.
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