Auf die Sichtweise kommt es an

Ein bisschen wie ein Familientreffen: Die Teilnehmer des dritten Amberger Künstlersymposiums rund um das Kunstkombinat. Bild: frj

Wenn schon Kunstkombinat, dann auch ein bisschen DDR-Ästhetik. Hauptsache "Durchblick". Den verschafften sich die zwölf bildenden Künstler jedenfalls und zeigen ihn ab morgen her.

Fünf Tage kreativer Arbeit sind um. Die Teilnehmer des dritten Amberger Künstlersymposiums sitzen entspannt im Innenhof des Kunstkombinats und warten auf Besucher, denen sie die Ergebnisse präsentieren wollen. Und es kommen viele an diesem Samstagabend, es wird eng in den Galerie-Räumen.

Selbst Oberbürgermeister Michael Cerny und Bürgermeisterin Brigitte Netta schauten vorbei und zu schauen gab es reichlich. Zwölf Künstler hatten sich in der Kreativitätsschmiede eingefunden, um das Thema "Durchblick" zu bearbeiten. Dabei gab es - vor allem für jene, die schon Ausstellungen der Teilnehmer gesehen haben - einige Überraschungen. So mancher hatte stilistische Ansätze und Materialien gewählt, die man so noch nicht von ihm gesehen hat.

Düster bis fragil

Kurt Etzold etwa wollte bei der Gluthitze seinen Schmiedeofen gar nicht anwerfen und schuf stattdessen zwei unheimlich-düstere Bilder, die einen "Blick in die Tiefe" freigeben. Auch Vassilij Plotnikov, der seine Skulpturen schon mal gern mit schwerem Gerät aus dem Holzblock fräst, ließ seine Kettensäge zu Hause und beschränkte sich auf herkömmliches Schnitzwerkzeug, um seiner Plastik "Turbulenzen" den letzten Schliff zu geben.

Auch der Glaskünstler Steffen Orlowski verzichtete auf sein bevorzugtes Material und präsentierte eine Sitzecke mit Reminiszenzen an den Arbeiter- und Bauernbarock der ehemaligen DDR. Das Motto "Durchblick" ließ er recht zweideutig durchblicken, nämlich in Form eines zerstörten Fernsehempfängers. Marion Mack, ebenfalls im Bereich der Glaskunst tätig, schuf ein Bambusgeflecht, das sie schlicht "Wirrwarr" nannte. Höchst fragil - und deshalb berühren verboten - war die Installation von Erika Wakayama, die eine Ansammlung von geometrischen Formen, aus Butterbrotpapier kunstvoll gefaltet und sparsam, aber ausreichend koloriert, ausstellte.

Die Installation von Johann Sturcz war nicht ganz so klein dimensioniert. Für sein Hauptwerk setzten sich die Besucher prozessionsartig in Bewegung und marschierten Richtung Stadtbrille. Dort war plötzlich eine weitere zu sehen. Des Rätsels Lösung: Es gibt auch anderswo solche Brückenbögen, nämlich im japanischen Nagasaki.

Flüchtig und vorbei

Im Gegensatz zu Erika Wakayamas vornehm-feinen Elaboraten war das Ausstellungsstück von Michaela Peter ausdrücklich zum Anfassen freigegeben. Sogar eine Video-Installation brachte sie in ihren zu einer Einheit verschmolzenen Schränkchen unter. Ebenfalls mittels Videotechnik konnte man durch Stefan Stocks Frauentorso hindurch sehen. Zum Nachdenken über "Verdacht und Wahrheit" soll Gina Ubers Werk ermuntern - eine Maske hinter "Vorhängen" versteckt.

Ebenfalls hinter den (Dusch)-Vorhang muss blicken, wer Marcus Trepeschs Beitrag sehen will. Viel nachdenkliche Tiefe vermittelt das Werk "Die Seele atmet" von Anja Röhnelt-Kamm, das aus mehreren hintereinander gehängten transparenten, durchlöcherten und bemalten Bahnen besteht. Kunst ganz anderer Art, die nicht für die Ewigkeit gemacht ist, sondern im Augenblick schon wieder vergeht, trug Stefan Wolfsteiner vor: die "Doppelte Stadtbrille", eine Clown-Performance.

Sie ist nicht mehr zu sehen in der Symposiums-Ausstellung vom Donnerstag, 20., bis Sonntag, 23. August, im Kunstkombinat in der Neustift 47 jeweils von 15 bis 18 Uhr.
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