Auf Not von Asylsuchenden aufmerksam machen
Nur der alte Koffer bleibt

"Niemand dieser Menschen hat sein Elternhaus, seine Angehörigen und Freunde freiwillig verlassen", sagt Anne Kuchler von der Caritas. Die Koffer sollten das Zurücklassen allen Hab und Guts, den Aufbruch in ein neues Leben und eine ungewisse Zukunft symbolisieren. Bild: Huber

Der 26. September ist der Tag des Flüchtlings. Hilfsorganisationen auf der ganzen Welt machten gestern auf die Not von Asylsuchenden aufmerksam. Dass Aufklärung dringend nötig ist, zeigte sich auf der Krambrücke.

Es sind rechte Parolen, die die Gäste an den Tischen eines Cafés in der Nähe des Info-Standes von sich geben. Von Überfremdung ist die Rede und dass die, die da mit Flugblättern herumstehen, lieber arbeiten sollten. Die Phrasendrescher lassen sich leckeren Cappuccino schmecken, während Michael (21) aus Äthiopien wenige Meter entfernt einem Passanten erzählt, wie er bei der Flucht über das Mittelmeer beinahe sein Leben verlor.

Über das Mittelmeer

Als er die Nussschale sah, die die Schleuser für die Überfahrt zur Verfügung stellten, wollte er nicht mehr einsteigen. Doch einmal in die Menschenmasse auf dem Holzsteg eingereiht, gab es kein Zurück. "Die haben uns mit Holzknüppeln auf den Kahn getrieben", erzählt er. "Wie Vieh." Sein Boot habe nach einigen Tagen die Küste Italiens erreicht. Was aus den anderen drei Kuttern geworden ist, die gleichzeitig starteten, wisse er nicht. "Ich habe keinen der Leute je wieder gesehen." Der junge Äthiopier hat eine lebensgefährliche Odyssee überstanden, wie viele andere Flüchtlinge, die Krieg, Verfolgung und Elend in ihrer Heimat hinter sich gelassen haben. "Niemand dieser Menschen hat sein Elternhaus, seine Angehörigen und Freunde freiwillig verlassen", erklärt Anne Kuchler von der Caritas.

Flucht sei immer die letzte Option, wenn sich aus einer verzweifelten Lage gar kein Ausweg mehr biete. Kuchler kümmert sich hauptberuflich um die Sorgen und Nöte der etwa 240 Asylbewerber in Amberg, beispielsweise wenn sie kein Behördendeutsch verstehen, wenn ihnen Vorurteile an den Kopf geworfen oder sie wegen ihrer Hautfarbe diskriminiert werden. Zum Tag des Flüchtlings wollte sie die Passanten in der Fußgängerzone über die prekäre Lage dieser Menschen informieren. Sie wollte aber auch das Positive in den Vordergrund rücken: "Wer ein offenes Herz hat, der empfindet eine fremde Kultur doch als Bereicherung." Um das zu unterstreichen, bot sie auf der Krambrücke eine Interkulturelle Schreibwerkstatt an. Wer wollte, konnte sich einen Text mit den Schriftzeichen verschiedener Sprachen übersetzen lassen.

Ziemlich gefährlich sahen die arabischen Striche und Kringel auf rosa Papier aus. Auf deutsch bedeuteten sie: "Liebe Mama! Ich wünsche Dir alles Gute zum Geburtstag!"
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