Auf ein Weizen mit Friedrich V.
Glosse

Der eine wiegelt ab, der andere wiegelt auf. Nein, so weit ist es nicht zwischen Stadtarchivar Laschinger und Hochbauamtsleiter Wiegel. Kann man sich beim Naturell der beiden à la "Kaltblüter" auch schwer vorstellen, dass ihnen im Disput um die einstige Konzeption des Schießl-Stadls die Gäule durchgehen. Reithaus hin oder her - diesen Ausritt in die Geschichte machte der erste Tag der Städtebauförderung möglich, der sich schon allein deshalb gelohnt hat. Zum Wiehern ist es nicht, eher schon gut begründet und per Expertin gestützt, was Wiegel da vom Zügel ließ. Insofern machte er nicht die Pferde scheu, sondern lieferte einen logisch klingenden neuen Aspekt der Amberger (Bau)Geschichte.

Laschinger selbst sprach von einer "schlüssigen Argumentation", hatte aber dennoch eine eher bittere Pille als ein Zuckerstückchen fürs Pferdethema dabei: Der einzige Wehmutstropfen liege darin, dass die zwar bescheidene Überlieferung das Gebäude schon in der Bauzeit ausschließlich als Wagenhaus bezeichnet, nie als Reithaus. Wehmut oder Wermut? Vielleicht sollten die zwei mal einen solchen zusammen trinken. Nicht, um herauszufinden, wer Recht hat, sondern um zu erkennen, dass beide Theorien zutreffen könnten, wie Wiegel logisch erklärte.

Statt des Wermuts geht auch eine Friedrich-Weiße, die es seit der Landesausstellung um den Winterkönig in Amberg gibt. Schließlich war der Kurfürst Bauherr des Stadls. Und vielleicht hatte er auch eine Weiße zu viel getrunken, als er sein fertiges Reithaus nicht mehr als solches nutzen wollte. Aufs falsche Pferd hatte er in seinem Leben öfter gesetzt. Und bevor sich jetzt der Nächste vergaloppiert: Auch wenn es der Schießl-Stadl ist, die Friedrich-Weiße stammt nicht von der Brauerei Schießl. Die braut der Kummert. Nicht, dass sich da in der Zukunft neuer Kummer bei der Historiensuche zusammenbraut.

thomas.amann@zeitung.org

Hintergrund Städtebauförderung für neue Nutzung

Amberg. (ath) Die Städtebauförderung packt da an, wo sich Kommunen oder auch private Bauherren den Erhalt historischer Gebäudesubstanz nicht leisten könnten. Darauf wies OB Michael Cerny am bundesweiten Aktionstag hin und war stolz darauf, dass Amberg für seinen Schießl-Stadl eine besonders gute Verwendung gefunden hat. Er soll künftig das Stadtarchiv mit viel mehr Platz beherbergen. Eine solche adäquate Nutzung ist auch Voraussetzung für Städtebauförderung.
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