"Auffangen, statt fallen lassen"

Der kleine Bub aus Äthiopien stahl dem Vorsitzenden des Bayerischen Flüchtlingsrates, Alexander Thal (links), fast die Schau. Im Musikomm diskutierten am Freitagabend zahlreiche Amberger über das Thema Asyl. Bild: kge

Das Thema Asyl wühlt die Menschen auf, nicht nur in den Großstädten - auch in Amberg. Bei einer Podiumsdiskussion im Musikomm richtete ein Redner aus dem Publikum einen eindringlichen Appell an die Regierung.

"Na, Du bist aber der einzige, der hier auf der Bühne herumlaufen darf," kommentierte Alexander Thal vom Bayerischen Flüchtlingsrat den Auftritt des kleinen Buben während seines Vortrages. Seine Eltern, die aus Äthiopien stammen, waren am Freitagabend Mitwirkende des Benefizwochenendes für Flüchtlinge im Musikomm. Sowohl der niedliche Anblick der Kinder, als auch die musikalischen Einlagen eines Asylsuchenden und der zwölfjährigen Gymnasiastin Nazli aus Aserbaidschan lockerten den betroffen machenden Abend auf.

Während politisch rechts orientierte Gruppen mit Parolen vor Flüchtlingsströmen und einer Überfremdung der Gesellschaft warnen, sprechen die wahren Fakten und Zahlen eine andere Sprache. Weltweit waren zum Beispiel im Jahr 2013 rund 45,2 Millionen Menschen auf der Flucht. In Deutschland registrierten die Behörden davon nur knapp 110 000 Asylanträge. "Das entspricht eher einem Tröpfeln, als einer Flut", sagte Alexander Thal. Zudem erläuterte er auf anschauliche Weise die Schwierigkeiten der zum Teil traumatisierten Menschen bei der Suche nach einer würdigen Unterbringung, ärztlicher Versorgung und zukunftsweisenden Existenzgrundlagen.

Engagement ausgenutzt

"Wie kann man sich erklären, dass Flüchtlinge, die nun in unserem gelobten Land angekommen sind, freiwillig Hungerstreiks auf sich nehmen, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen?", fragte Thal direkt in das Publikum. Ob sich jemand einen Grund in seinem Leben vorstellen könne, um zu so drastischen Mitteln greifen zu müssen. Besonders in Bayern gebe es beim Umgang mit Asylsuchenden aufgrund der Gesetzeslage im Gegensatz zu den anderen Bundesländern Handlungsbedarf.

Bei der anschließenden von Tobias Stöcklmeier (Musikomm) geleiteten Podiumsdiskussion mit Anne Kuchler (Caritas), Gertrud Strauß (Diakonie Sulzbach-Rosenberg), Dunja Speckner, Michael Feyesa Eshatu und Musie Betre (Flüchtlinge aus Äthiopien) kamen vor allem die Probleme bei der Arbeitssuche zur Sprache. Dabei wurde deutlich, dass es auch viele positive Geschichten und - aufgrund des Engagements von Ehrenamtlichen - Hoffnung auf ein freundliches und menschenwürdiges Miteinander gibt.

Allerdings nutze der Staat dieses bürgerschaftliche Engagement aus, erklärte Thal. Der politische Machtkampf um Wählerstimmen und Parteimitglieder stehe dabei nicht selten im Vordergrund. Ein Diskussionsteilnehmer aus dem Publikum schloss sich diesem Argument an. Das Motto des Wochenendes "Auffangen, statt fallen lassen" richtete er als Appell direkt an die Regierung.
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