Aufklärung der erste Schritt

Auch für Risikopatientinnen kann eine Mammografie neben umfassenden Informationen zu den wichtigen Voruntersuchungen gehören. Bild: Hartl

Bekannt gemacht hat diese Tatsache die US-Schauspielerin Angelina Jolie: Liegt bei Frauen eine Veränderung des BRCA-Gens vor, können sie ein höheres Risiko tragen, an Brust- oder Eierstockkrebs zu erkranken. Professor Anton Scharl vom Klinikum St. Marien warnt nun aber vor übereilten Entscheidungen. Er setzt auf umfassende Beratung.

In einer Pressemitteilung informiert das Klinikum St. Marien über die Schauspielerin Angelina Jolie, die sich aus Angst vor einer Krebserkrankung vor zwei Jahren beide Brüste und nun auch die Eierstöcke entfernen ließ. Jolies Großmutter, ihre Mutter und auch ihre Tante starben an Krebs und auch sie selbst hat durch eine genetische Veränderung ein extrem erhöhtes Risiko, an Brust- oder Eierstockkrebs zu erkranken. Dabei handelt es sich um eine Veränderung im sogenannten BRCA-Gen.

"Dieses Gen ist für die Reparatur von Fehlern der Erbinformation verantwortlich, die bei der Zellteilung vorkommen können. Unterbleibt eine Reparatur, entstehen kranke Zellen, eventuell auch Krebszellen", erklärt Prof. Dr. Anton Scharl, Chefarzt der Frauenklinik und Leiter des Brust- und Gynäkologischen Krebszentrums am Klinikum St. Marien Amberg. "Veränderungen der BRCA-Gene werden vererbt."

Fünf bis zehn Prozent

Solche Genveränderungen lägen nur bei etwa fünf bis zehn Prozent der Krebserkrankungen an Brust oder Eierstöcken vor. Sei das aber der Fall, so bestehe für die Betroffenen ein Risiko von bis zu 60 Prozent, dass sie im Laufe ihres Lebens an Brust- oder Eierstockkrebs erkranken. Auffällig ist laut Scharl in diesen Familien, dass viele Familienmitglieder schon in jungen Jahren an Brust- oder Eierstockkrebs erkrankt sind.

Befürchtet jemand, dass in seiner Familie eine solche Veränderung vorliegen könnte, ist der erste Schritt eine genetische Beratung. Solche Informationen werden im Brustzentrum und im Gynäkologischen Krebszentrum am Klinikum Amberg angeboten. Termine dafür können unter (38-13 84) oder (38-13 71) vereinbart werden. Nach dem Beratungsgespräch wird gemeinsam mit dem Patienten überlegt, ob eine Gentestung sinnvoll ist und ob die Betroffenen das auch möchten.

Brustzentrum zertifiziert

Das gynäkologische Krebszentrum und das Brustzentrum im Onkologischen Zentrum des Klinikums St. Marien Amberg sind von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert und werden unter anderem . vom Magazin Focus zu den besten Einrichtungen dieser Art in Deutschland gezählt. Neben der Beratung zeigen Experten den Patienten hier auch Wege auf, wie sie mit einer Genveränderung umgehen können, bis hin zu den vorbeugenden Operationen an Brust und Eierstöcken, wie sie Angelina Jolie Pitt vornehmen ließ. Allerdings warnt die Expertenkommission Mamma der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Scharl davor, übereilt Operationen durchführen zu lassen: "Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Veränderung der BRCA-Gene zu Krebs führt, liegt bei manchen betroffenen Menschen auch nur gering über dem Durchschnitt. Erst wenn man das eigene Risiko kennt, kann man kluge Entscheidungen treffen, was zu tun ist", so Scharl. "Dazu ist eine individuelle Beratung durch Experten unbedingt nötig", unterstreicht der Mediziner.
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