Aus der Geschichte des Stadtteils

Stadtarchivar Dr. Johannes Laschinger hielt einen Vortrag über die interessante Geschichte des Stadtteils Wagrain-Ammersricht.
Johannes Laschinger war ebenfalls zur Feier der Aktionsgemeinschaft Wagrain-Ammersricht gekommen. Der Stadtarchivar referierte über die Geschichte des Stadtteils. Erstmals tauchte im 12. Jahrhundert im Traditionsbuch des Klosters Prüfening ein Ort namens Ammanesriute auf, bei dem es sich um den späteren Ort Unterammersricht handelte. Im 17. Jahrhundert umfasste der Ort etwa fünf Anwesen, und in den wenigen schriftlichen Quellen war immer wieder von strittigen Weiderechten und Naturkatastrophen die Rede.

Erst mit der Bildung von Ruralgemeinden im Jahr 1818 entstand der Ort Ammersricht, bestehend aus Bernricht, Neumühle, Ober- und Unterammersricht sowie Schweighof. Die Geschichte von Neumühle reicht ebenfalls weit zurück und findet um 1123 im Kloster Ensdorf Erwähnung. Dasselbe gilt auch für den Schweighof, der erstmals 1366 genannt wird. In der Zeit von 1882 bis 1933 wuchs die Gemeinde Ammersricht von 210 auf 671 Einwohner an. Die meisten Menschen waren in der Landwirtschaft tätig, es gab nur wenige Gewerbeanmeldungen. Mit Vollzug der Gebietsreform zum 1. Januar 1972 wurde die Gemeinde Ammersricht ein Ortsteil der Stadt Amberg.

Im Gegensatz zu Ammersricht gehörte der Wagrain immer zu Amberg. Ab 1347 wurde die Waldung stückweise von der Stadtkammer erworben. Der Wagrain war als Brennholzreservoir der Amberger Bürgerschaft sehr begehrt. Deshalb waren die Holzentnahme und Anzahl der Berechtigten genau festgelegt. Zwei Fuhren Holz waren erlaubt. Um die Waldung nicht zu schädigen, durfte sie nicht als Viehweide genutzt werden. Eine deutliche Zäsur erfolgte zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als der 1700 Tagwerk umfassende Wagrainer Wald in den Privatbesitz von etwa 150 bevorrechtigten Bürgern kam.

Der Anstoß zum ersten Abschnitt der Siedlung am Wagrain kam 1932 durch die Ortsgruppe des Reichsbundes der Kinderreichen. Die Wohnungsnot sollte durch den Bau der Siedlung in Selbsthilfe gemildert werden, da unter den Bewerbern, selber arbeitslos, nahezu alle Berufe vertreten waren. So entstanden innerhalb von nur sechs Monaten bis November 1932 exakt 24 Häuser, bestehend aus Wohnküche und zwei Zimmern. Beachtenswert ist laut Laschinger, dass die Zuweisung der Häuser verlost wurde. Es folgten drei weitere Bauabschnitte mit insgesamt 40 Häusern, die die vorstädtische Kleinsiedlung an der Bayreuther Straße bis 1933 weiter anwachsen ließ. Die Bezeichnung "Am Wagrain" setzte sich durch.

12 000 Flüchtlinge, die nach Amberg kamen, vergrößerten die Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg noch stärker. 1949 wurde durch die Luitpoldhütte der Grundstein zum Bau von insgesamt 40 Wohnungseinheiten für ihre Beschäftigten gelegt und die Wagrain-Siedlung vergrößerte sich erneut.
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