Ausländische Bewerber: Eignung zählt, nicht Herkunft - Auch Flüchtlinge qualifiziert
"Bei uns ist jeder willkommen"

In den USA hat ein Drittel der Migranten eine akademische Ausbildung. Das würde ich mir für Deutschland auch wünschen.
"Es mag vielleicht in Großstädten ein Problem sein, aber nicht bei uns in der eher ländlichen Gegend." Kreishandwerksmeister Johann Weber ist überzeugt, dass im Raum Amberg-Sulzbach Ausbildungsplatzbewerber mit ausländischem Namen nicht benachteiligt werden. Dieses Thema war beim Integrationsgipfel von Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag groß diskutiert worden - bis hin zur Forderung, Unternehmen anonymisierte Bewerbungsverfahren vorzuschreiben. Damit eben allein die Qualifikation zählt und nicht die Herkunft, so der Hintergrund des Vorstoßes.

30 Nationalitäten im Betrieb

Nicht nur die Kanzlerin lehnt so eine gesetzliche Vorgabe ab, sie scheint auch gar nicht nötig zu sein - zumindest bei den größeren Unternehmen in der Region, wie eine AZ-Umfrage Webers Eindruck bestätigt. "Wir sind in über 200 Ländern der Welt unterwegs. Wir sind vollkommen neutral, was unsere Mitarbeiter betrifft", betont Peter Rihm, Personalchef des Amberger Siemens-Standorts, zur Herkunftsfrage potenzieller Stellenbewerber. Die spiele nämlich "überhaupt keine Rolle" - beim Global Player Siemens zähle "ausschließlich die Eignung". Lokales Beispiel: Allein am hiesigen Standort sind laut Rihm über 30 Nationalitäten in verschiedenen Berufen tätig.

Ähnlich ist das bei der Deprag Schulz GmbH und Co. "Wir sind ein weltoffenes Unternehmen. Wir würden uns keinen Gefallen tun, wenn wir da Vorbehalte hätten", sagt Geschäftsführer Dr. Erik Hallmann für den eigenen Betrieb und bricht generell eine Lanze für mehr Menschen mit Migrationshintergrund in deutschen Firmen. Denn "schon rein demografisch" habe die Bundesrepublik in naher Zukunft ein Problem. Vorhandene Stellen zu besetzen, wird laut Hallmann "eine Herausforderung, der sich der deutsche Mittelstand und größere Unternehmen stellen müssen". Qualifizierter Nachwuchs fehle ja jetzt schon teilweise, sei aber beispielsweise auch in den Flüchtlingswellen zu finden, die nach Europa schwappen. "Da sind durchaus Leute dabei, die qualifiziert sind", wirbt Hallmann auch für solche Lösungen und sagt für die Deprag: "Bei uns ist jeder willkommen." Beispiel aus seinem Betrieb: In der Exportabteilung ist Deutsch kein Einstellungskriterium. Hier zählt gutes Englisch, das ein Spanier und ein Ungar mitbringen, die hier tätig sind.

Gastarbeiter anwerben

Apropos Spanien: Bei einer Jugendarbeitslosigkeit von 45 Prozent glaubt Johann Weber, dass allein von dort noch viele junge Leute nach Deutschland kommen, um eine Ausbildung zu finden. Umgekehrt müsse auch die Bundesrepublik mit ihrem Nachwuchsmangel Gastarbeiter anwerben wie einst in den 60er und 70er Jahren. Weber sähe bei Leuten aus der europäischen Kultur "kein Problem".
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