Auto des neuen Lebensgefährten der Ex-Freundin angezündet - Bewährungsstrafe
Grenzwanderer als Brandstifter

Er kam nachts über die Grenze bei Eslarn. Dann marschierte der Mann viele Kilometer bis zu einem Ort im östlichen Kreis Schwandorf. Was sich dort ereignete, beschäftigte zuerst die Kripo und jetzt das Amberger Schöffengericht.

Die Anklage gegen den in Tschechien wohnenden Mann lautete auf zweifache versuchte Brandstiftung. Der bärtige Wandersmann hatte im Nachbarland einen Bus genommen. Dann ging er zu Fuß über die grüne Grenze und brauchte ein paar Stunden bis zum Ziel. "Was wollten Sie dort?", fragte jetzt der Schöffengerichtsvorsitzende Markus Sand den 40-Jährigen. Die Antwort nahm sich zunächst seltsam aus: "Abschied nehmen von meiner Tochter." Die 18-Jährige, so stellte sich heraus, lebt in dem grenznahen Ort auf deutscher Seite zusammen mit der Ex-Lebensgefährtin des Mannes.

Mit in dem Gebäude, das der nächtliche Wanderer betrat, wohnt auch ein Mann, der sich vor Gericht als momentaner Freund der Ex-Gefährtin zu erkennen gab. Beim Auftauchen des 40-Jährigen kam es dann wohl zu einer verbalen Auseinandersetzung. Man wies ihm die Tür. Warum aber wollte er Abschied von seiner Tochter nehmen? Auch das wurde nach einigen Debatten deutlich. Der 40-Jährige trug sich offenbar mit Selbsttötungsgedanken. Er hatte eine Vielzahl von Tabletten geschluckt, die nach seiner Verhaftung einen Klinikaufenthalt notwendig machten.

Kein größerer Schaden

An dem Aprilmorgen dieses Jahres kam es gegen 2 Uhr zur ersten Straftat. Der Angeklagte zog eine Flasche mit Benzin aus seinem Rucksack, übergoss ein in der Nähe abgestelltes Auto mit dem Treibstoff und entfachte Flammen. Dann entfernte er sich. Der Brand wurde entdeckt und sofort gelöscht. Eine Stunde später kam er wieder, legte - diesmal mit spritgetränkten Papiertaschentüchern - abermals Feuer an dem Pkw. Doch auch dabei entstand kein größerer Schaden. Das Fahrzeug gehörte dem neuen Freund seiner ehemaligen Lebensgefährtin. Das wusste der 40-Jährige.

Schon nach der ersten Brandlegung soll die Einsatzzentrale der Polizei verständigt worden sein. Dort gab es sinngemäß die Auskunft, dass man bei einem gelöschten Feuer nicht komme und die Erstattung einer Anzeige wohl bis zum nächsten Tag Zeit habe. Nach der zweiten Brandlegung wurde eine Streifenbesatzung der örtlichen zuständigen Polizeiinspektion in Marsch gesetzt. Zwei Beamte nahmen die Spur des mutmaßlichen Täters auf und verhafteten ihn, als er zielstrebig zurück in Richtung Grenze marschierte. Seither saß er in U-Haft.

An seine langen Wanderungen konnte sich der Mann zwar erinnern. Doch vor dem Schöffengericht machte er Gedächtnislücken im Hinblick auf die beiden Brandstiftungen geltend. Daran allerdings, dass er es war, führte kein Weg vorbei. Die Beweislast erwies sich als erdrückend. Andererseits aber skizzierte sich auch heraus: Nach einem von dem Nürnberger Psychiater Thomas Lippert erarbeiteten Gutachten befand sich der 40-Jährige in der Tatnacht nicht im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte. Und er hatte sich selbst, durch die Einnahme größerer Mengen Medikamente, in Lebensgefahr gebracht.

16 Monate Haft mit Bewährung beantragte Staatsanwältin Dr. Barbara Tutsch. "12 Monate sind ausreichend", befand Verteidiger Jörg Jendricke (Amberg) in seinem Plädoyer. Das Schöffengericht verhängte 14 Monate mit Bewährung und hob den Haftbefehl auf. Ab dann konnte der Rucksack-Wanderer seiner Wege zurück ziehen. Ausgestattet mit einer Tafel Schokolade des Anwalts als Wegzehr. An den Ort seiner Taten will er nicht mehr zurückkehren. Obgleich die Tochter noch immer dort lebt.
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