Autoknacker mit Störsender

Einen Volltreffer landete die Polizei mit der Festnahme eines Slowaken unmittelbar nach einem raffiniert begangenen Autoaufbruch: Zugleich gelang es, neben dem I-Pad aus Amberg, weitere Beutegegenstände sicherzustellen und den jeweiligen Straftaten zuzuordnen. Bild: Polizei

In Bratislava ein Leihauto gemietet und ab damit nach Deutschland zum Aufbrechen von Fahrzeugen. Mit Tatorten in Regensburg, Ingolstadt, Nürnberg und - Amberg. Hier aber schnappte die Falle dank eines aufmerksamen Mannes zu. Aus dessen Auto hatte der Osteuropäer zuvor mit hinterlistiger, elektronischer Unterstützung ein I-Pad entwendet. Weit kam er danach nicht mehr.

Ein 42-Jähriger traute am Donnerstag gegen 14.30 Uhr seinen Augen nicht. Erst stellte der Außendienstmitarbeiter seinen VW auf dem Parkplatz eines Einkaufsmarktes im Stadtwesten ab und ging weg - im Glauben, seinen Wagen per Fernbedienung versperrt zu haben. Als er wenig später zurückkehrte, fiel ihm ein Fremder auf, der sich von dem Pkw entfernte. Gleich darauf stieg der Unbekannte in einen weißen Skoda mit ausländischem Kennzeichen. Der 42-Jährige reagierte geistesgegenwärtig: Als er bemerkte, dass aus seinem VW ein I-Pad fehlte, alarmierte er die Polizei.

Streife bei Stockerholz

Von der Einsatzzentrale aus wurde sofort eine Fahndung eingeleitet - die bereits um 15.15 Uhr mit einem Volltreffer endete: Der Seat wurde durch eine Streife der Autobahnpolizei am Parkplatz Stockerholz an der A 6 in Fahrtrichtung Osten gestoppt und kontrolliert. Am Steuer saß, alleine im Auto, ein slowakischer Staatsangehöriger (42). Bei der folgenden Überprüfung fanden sich im Kofferraum vier Laptops, zwei Handys, zwei Tablets und diverse EDV-Geräte, wie Drucker, Kabel, Speichermedien und eine Tastatur. Darunter auch das I-Pad, das eine halbe Stunde zuvor in Amberg entwendet worden war. Der Slowake wurde vorläufig festgenommen und zur Inspektion an der Kümmersbrucker Straße in Amberg gebracht. Den Skoda ließen die Beamten abschleppen und stellten ihn ebenso wie die Beute sicher.

Danach leisteten die Ermittler ganze Arbeit. Ihnen gelang es während der Vernehmung, weitere drei Diebstähle aus Fahrzeugen aufzuklären. Außerdem konnten sie das entdeckte Diebesgut in einem Gesamtwert von rund 6000 Euro den jeweiligen Straftaten konkret zuordnen.

"Der Tatverdächtige legte ein umfangreiches Geständnis ab, das mit Hilfe einer Dolmetscherin übersetzt wurde", teilte dazu Polizeisprecher Peter Krämer am Freitag mit. Demnach hatte der 42-Jährige am 28. Oktober den Skoda in Bratislava bei einer Autoverleihfirma angemietet und war noch am selben Tag nach Deutschland eingereist - ausschließlich, um hier Straftaten zu begehen.

Ausgerüstet hatte sich der Ganove dazu nicht nur mit üblichem Aufbruchswerkzeug, sondern auch mit einem sogenannten "Jammer" - einem Störsender, mit dessen Hilfe er die Fernbedienung von Zentralverriegelungen außer Kraft setzen kann. Erste Station war dann laut Polizei gleich am Montag vergangener Woche Regensburg.

Hier schlug der Täter das erste Mal zu, als er einen Autofahrer beobachtete, der mit seinem Fahrzeugschlüssel die Fernbedienung betätigte. Genau in diesem Moment störte der Slowake mit seinem mitgebrachten Sender die Signalübertragung, wodurch der Pkw nicht verriegelt wurde. Der Fahrer war jedoch der Meinung, sein Auto sei verschlossen. Nun war es ein Leichtes, die Türen ohne Gewalt zu öffnen und daraus ein Tablet zu entwenden.

Weiter ging es nach Ingolstadt. Dort aber funktionierte am Dienstag offensichtlich der Störsender nicht. Deshalb wandte der Mann brachiale Gewalt an, zertrümmerte die Seitenscheibe eines Pkw und nahm zwei Laptops an sich. Über die Autobahn A 9 fuhr der Slowake nach Nürnberg und brach auf einem Parkdeck am Donnerstag gegen 12.15 Uhr ein weiteres Fahrzeug auf. Hier fielen ihm mehrere elektronische Bauteile, eine Tasche mit zwei Laptops sowie zwei Mobiltelefone in die Hände.

Nacht in der Zelle

Gleich danach ging's es weiter nach Amberg - noch nicht ahnend, dass dies zumindest die vorläufige Endstation werden würde. Von hier aus wollte der Mann eigentlich zurück in die Heimat. Doch, obwohl der Störsender hier auf dem Parkplatz des Einkaufsmarktes wie beschrieben funktionierte, bekam der Slowake statt des heimischen ein anderes Quartier: "Die Nacht verbrachte er in der Justizvollzugsanstalt und wurde, nachdem die Staatsanwaltschaft Haftantrag gestellt hatte, am Freitagnachmittag dem Richter am Amtsgericht vorgeführt", sagte Hauptkommissar Peter Krämer, dessen Kollegen am Sonntag auf Nachfrage bestätigten - der Slowake sitzt in U-Haft.
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