AZ-Adventskalender: Federzeichnung von 1741 zeigt Amberger Befestigung
Auch im Grün steckt Geschichte

Auf dieser Federzeichnung von 1741 aus dem Bestand des Stadtarchivs sind die Amberger Bastionen als äußerste "Zacken" im Verlauf der Stadtmauer gut erkennbar. Zur Orientierung: Der große Komplex links (Buchstabe M ) ist der Malteser-Bau, die grüne Fläche innerhalb der Stadtmauer oben markiert etwa den Bereich, in dem heute das Verlagsgebäude der Amberger Zeitung steht. Von hier aus "durchschneidet" die Vils (dargestellt als grünes Band) in ihrem alten Verlauf die Stadt, die sie in der Bildmitte unten zwisch

München sei "die schönst', Leipzig die reichst' und Amberg die festeste Fürstenstadt" formulierte einst Chronist Michael Schwaiger. Tatsächlich umgab die Stadt ein ganz besonderes, mehrstufiges Bollwerk zum Schutz vor Eindringlingen.

Ein Teil davon ist heute noch erhalten - die Stadtmauer. Doch die genügte Amberg einst nicht als Schutz, wie Stadtheimatpflegerin Beate Wolters anmerkt.

Am besten befestigt

Sie verweist auf eine historische Federzeichnung von 1741 aus dem Stadtarchiv, auf dem das Abwehrkonzept sehr gut erkennbar ist. Vor allem sieht man darauf auch die - heute nicht mehr erhaltene - Kette der Bastionen, "diese spitzen Ausbuchtungen, die die Stadtmauer ergänzt" und Amberg komplett umringt haben.

"Die eigentliche Stadtmauer liegt innen, dann folgen nach außen hin erst Zwingerbereich, denn Zwingermauer, Stadtgraben und schließlich die Bastionen", listet Wolters auf - "also schon ein Mordsverteidigungswerk". Amberg sei nicht nur im ausgehenden Mittelalter die am besten befestigte Stadt gewesen, sondern auch später noch. "Die haben richtig was aufgeboten." Im 19. Jahrhundert seien dann in vielen Städten die Befestigungsringe aufgelöst worden. "Viele haben damals ihre Stadtmauern ganz niedergelegt. Amberg hat sie behalten." Allerdings seien die Bastionen aufgegeben worden. Stattdessen seien hier kleine Anlagen eingerichtet worden - "zum Spazierengehen, für das gehobene Bürgertum, am Sonntag, wenn man da um die Stadt flanieren und etwas Grünes haben wollte".

Ambergs eckige Parks

Diese Grünanlagen sind laut Wolters zum Teil heute noch erhalten. Eine davon gibt es am Lüderitzplatz (Nähe Malteser), eine weitere am Studenten- (Nähe Max-Reger-Gymnasium) und noch eine am Hindenburgplatz (Nähe Wingershofer Tor). Ihre Form lasse noch gut erkennen, dass sie genau auf den ehemaligen, fünfeckigen Bastionen angelegt sind.

Auch wenn Letztere niedergelegt worden seien, seien die Häuser, die damals entlang des Bollwerks errichtet worden waren, stehengeblieben: Wer das nicht wisse, wundere sich vielleicht, warum die Gebäude am Studentenplatz den Park "so komisch" umringen: "Tatsächlich stehen sie aber nicht um die Grünanlage herum, sondern um die einstige Bastion", verdeutlicht Wolters. Beim Hindenburgplatz stammten einzelne Bäume sogar noch aus dieser Erstanlage-Zeit, dem 19. Jahrhundert.

Zu den Grünanlagen hat die Stadtheimatpflegerin eine besondere Beziehung, wie sie verrät. Speziell der Hindenburgplatz erinnert sie an ihre Kindheit, mit seinem noch immer erkennbaren "60er-Jahre-Charme": Damals sei sie oft auf einem Spielplatz wie dem an der Stadtmauer gewesen. Umso mehr freut sich Wolters über Überlegungen des städtischen Teams Grün, diese Flächen bewusst im Stil der 60er Jahre zu erhalten und sie nicht zu modernisieren - als Zeitdokument. "Das fände ich sehr schön", sagt Wolters.

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Der AZ-Adventskalender im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/azadventskalender2014
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