Bahnhof kommt nicht zum Zug

Es reicht schon, im Alter nicht mehr allzu gut zu Fuß zu sein, um die steilen Treppenaufgänge zu den Bahnsteigen als eine nur schwer zu nehmende Last zu empfinden. Bis zur Barrierefreiheit ist es ein weiter Weg. Bild: Hartl

Erst zu klein, jetzt zu groß. Wie hätten Sie's denn gern, kann der Oberbürgermeister seine Verärgerung nur schwer verbergen. Barrierefreiheit an den Gleisen bleibt in Amberg vorerst ein frommer Wunsch.

Obwohl Bayerns Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann laut einer dieser Tage verbreiteten Pressemitteilung 21 Bahnhöfe nach Berlin gemeldet hat, um entsprechende Stolpersteine aus dem Weg zu räumen. Zukunftsinvestitionsprogramm, kurz ZIP, heißt der Fördertopf, aus dem die Bundesmittel dafür zur Verfügung gestellt werden. Herrmann rechnet, dass so 10 bis 15 Millionen Euro Richtung Freistaat fließen; die gleiche Summe müsste noch einmal die Bahn drauflegen.

Schnell reagiert

Davon hätte sich gerne auch Amberg einen Teil gesichert. Die Stadt kann schon lange keinen Staat mehr mit ihrem Bahnhof machen, und das Thema Barrierefreiheit hat bereits viele Gemüter erregt und bewegt. Geändert hat sich nichts. Anfang August wandte sich deshalb OB Michael Cerny (CSU) unverzüglich an das Innenministerium, als er von dieser ZIP-Initiative Wind bekommen hatte.

Es bewegte sich was

"Schon zwei Tage später bekam ich die Antwort, dass wir da nicht reinpassen, weil der Bahnhof zu groß ist. Vorher waren wir für eine Sanierung zu klein", ist dem Oberbürgermeister seine Enttäuschung anzumerken. Das in Berlin in Gang gesetzte Programm für mehr Barrierefreiheit an Bahnhöfen zielt speziell auf kleinere Haltestellen ab. Die Obergrenze wurde auf 1000 ein- und aussteigende Fahrgäste pro Tag festgelegt, in Amberg sind es 2600.

Für die Oberpfalz hat das Innenministerium vor diesem Hintergrund Furth im Wald, Reuth bei Erbendorf und Sünching für ZIP angemeldet. "Tut uns wirklich leid, aber Amberg passte nicht in den Kriterienkatalog", hieß es im Münchener Innenministerium dazu. Natürlich verschließt sich auch Cerny diesen Fakten nicht. Für ihn stellt sich inzwischen jedoch ernsthaft die Frage, wo er noch ansetzen soll, um dem zunehmend maroden Bahnhofsbau auf die Sprünge zu helfen. Unzählige Gespräche habe er in dieser Angelegenheit mit der Bahn schon geführt und den Eindruck gewonnen, auf deutlich mehr Aufgeschlossenheit in Sachen Sanierung und Modernisierung zu stoßen. "Eine entsprechende anderweitige Kofinanzierung vorausgesetzt", schränkte Cerny ein.

Deshalb habe er einige Hoffnungen in ZIP gesetzt. Jetzt befürchtet der Oberbürgermeister, dass dieser Zug erst einmal abgefahren sein könnte. Denn aktuell fiel selbst den Innenministerium als oberster Baubehörde im Freistaat nicht ein, wohin sich Amberg wenden sollte, um den Fuß in die Türe einer Sanierung des Bahnhofes und seines Umfeldes zu bekommen. "Der Einstieg, dass dort endlich einmal etwas passiert, ist uns wichtig", betonte Cerny und zeigte sich offen für viele denkbare Lösungsansätze, damit der Bahnhof nicht noch weiter herunterkommt.
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