Bald Wettstreit um Arbeitskräfte

Er will kein Wahrsager oder gar Scharlatan sein. Und doch klingt Manches von dem, was Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky am Donnerstag im ACC auf seiner Zeitreise servierte, nur mit viel Fantasie nachvollziehbar. Dabei versuchte er nur, zehn Jahre nach vorne zu schauen.

Das Tüpfelchen aufs "i" aber setzte Andreas Reindl, Vorstand der veranstaltenden Volksbank-Raiffeisenbank Amberg, nach dem 90-Minuten-Vortrag, als er im ACC die Frage ins Publikum warf, welche von mehreren an die Wand projizierten Apps wohl die beliebteste 2006 gewesen sei, im Jahr der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland. Die Antwort: "Keine, weil es Apps erst ab 2007 gab." Heute sind diese kleinen Info-Dinger aus der Kommunikationsgesellschaft kaum wegzudenken.

So ist es kein Widerspruch, wenn Jánszky am Ende zu seinen Zuhörern sagt: "Schauen Sie nicht die ganze Zeit in den Rückspiegel; nehmen Sie die Windschutzscheibe." Dazu gehöre, beizeiten, sich von alten Regeln zu trennen und neue für sich und sein Handeln aufzustellen. Am Beispiel von Fußballtrainern werde dies sichtbar. Wenn ein solcher einen Verein übernehme, sei es wichtig, zunächst das bisherige System aus den Spielerköpfen herauszuholen, um Platz fürs neue zu kriegen. So wie es einst Thomas Tuchel (heute Borussia Dortmund) gemacht habe, als er bei Mainz 05 startete und wusste, dass das Longline-Spiel diese Mannschaft nicht weiterbringen würde. Er stellte sie um auf Diagonal- und Kurzpass - und hatte Erfolg. Eine Botschaft, die sich durch Jánszkys Ausführungen wie ein roter Faden gezogen hatte und die er Firmen ebenso nahelegte, wie dem Mann auf der Straße: "Anpassung ist die größte menschliche Eigenschaft." Wer auf der Gewinnerseite stehen möchte, müsse sich ändern können.

Beim Blick in Richtung 2025 fiel ihm der Herrenausstatter ein. Dessen Rolle werde künftig ein Spiegel übernehmen, der dem Nutzer - dessen Emotionen und Gedanken er kennt - sagt, was zu ihm und seinem Geldbeutel passt. Er rufe dann die in Betracht kommenden Anzüge bei Herstellern ab, um dann eine Kaufempfehlung zu geben. Selbst die tägliche Frage, "was ziehe ich an?", könne der Spiegel beantworten, weil er wisse, was im Kleiderschrank hängt.

Verantwortlich dafür seien die in immer kürzeren Zeitabständen immer leistungsfähiger und kleiner werdenden Rechner. So schilderte Jánszky das Beispiel einer Maschine, die nach einem wissenschaftlichen Einsatz in ein Call-Center gewandert sei und dort wertvolle Dienste leiste: Sie kenne 80 Prozent der zu erwartenden Fragen schon, noch ehe der Kunde die Nummer gewählt habe.

Ein Lächeln hatte der Zukunftsforscher dafür übrig, wenn argumentiert werde, "Ich brauche das alles nicht." Seine Erfahrung: "Es kommt doch nicht das in den Laden, was Kunden sich wünschen, sondern was Firmen verkaufen wollen." Am Beispiel des TV-Marktes verdeutlichte er dies: "Wenn Sie heute einen Röhrenfernseher kaufen wollen, den werden Sie nicht mehr bekommen." Ähnlich rasant sei das Tempo bei Handys und Smartphones. Aber auch die Bedeutung von inzwischen längst in den Regalen stehenden 3-D-Druckern werde noch unterschätzt: "Wenn Sie vor dem Kühlfach stehen und da liegt das gewachsene Steak für sechs, sieben Euro und daneben das für einen Euro aus dem Drucker, dann werden Sie sich irgendwann für den Preisvorteil entscheiden."

Computer, so Jánszky, würden binnen zehn Jahren das Leben weit mehr verändern als aktuelle Themen wie Flüchtlinge und Terror. Apropos Asylbewerber: Integration und Qualifizierung in Deutschland seien zwingend, weil schon bald Millionen Arbeitskräfte fehlen werden. Schon in absehbarer Zeit werde es unter Firmen Wettstreit um Personal geben: "Und wenn der Headhunter zum siebten Mal angerufen und einen Job bei einer anderen Firma angeboten hat, dann gibt irgendwann auch der Hartnäckigste nach." (Zitate)
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