Barmherzigkeit ist ein Name Gottes
Die Festpredigt gestern Abend auf dem Mariahilfberg

Amberg. (ath) Wie jedes Jahr veröffentlicht die AZ Auszüge aus den Festpredigten, die jeweils am Abend zuvor auf dem Bergfest gehalten werden. Gestern sprach bei der Andacht am Freialtar Domkapitular Peter Hubbauer, der sich auch heute und morgen mit dem geistlichen Motto auf dem Mariahilfberg zum Thema Beichte auseinandersetzt:

Wie oft habe ich schon gehört, dass jemand sagt: "Ich wüsste gar nicht, was ich beichten sollte. Ich bin mir keiner Schuld bewusst!" Und dabei wird meist noch aufgelistet: "Ich habe niemanden umgebracht, habe nichts gestohlen, versuche immer ehrlich zu sein, habe keinen Ehebruch begangen und habe sogar bei der Caritas-Sammlung einen Zehner in das Opferkörbchen geworfen." Man merkt schon, einem Mensch, der so denkt, wird sich das Geheimnis der Versöhnung nie ganz erschließen. Um näher dorthin zu kommen, möchte ich diesen Weg in drei Richtungen andenken: Versöhnung mit Gott, Versöhnung im Blick auf die Menschen und Versöhnung mit sich selbst.

Ja, wer mit sich selber nicht klar kommt, wer sich selber nicht mag, tut sich auch schwer, andere zu mögen und noch schwerer, mit Gott in einem versöhnten Verhältnis zu leben. Unter dieser Vorgabe möchte ich meinen Überlegungen noch einen Untertitel geben, zu dem mir unser Heiliger Vater eine tolle Steilvorlage gegeben hat, indem er an Ostern ein Heiliges Jahr der Barmherzigkeit ausgerufen hat. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir hier ansetzen müssen. Ein Weg der Versöhnung ist nur dann möglich und sinnvoll, wenn es so etwas wie Barmherzigkeit oder Erbarmen gibt.

Der Papst sagt uns, dass die Barmherzigkeit Gottes das Zentrum des christlichen Glaubens ist. Er drückt das sogar noch deutlicher aus, in-dem er darauf hinweist - ich zitiere: "Auf die Schwere der Sünde antwortet Gott mit der Fülle der Vergebung. Die Barmherzigkeit übersteigt stets das Maß der Sünde und niemand kann der verzeihenden Liebe Gottes Grenzen setzen." Darin liegt nicht eine Schwäche Gottes, sondern seine Stärke, so formuliert es der Heilige Vater und beruft sich auf den größten Theologen unserer Kirche, Thomas von Aquin, der sagt: "Barmherzigkeit walten zu lassen, ist ein Wesensmerkmal Gottes. Gerade darin zeigt sich seine Allmacht." In der Heiligen Schrift haben wir Beispiele, wo uns Jesus diese Überlegungen bestätigt. Ich denke nur an die Geschichte von der Ehebrecherin. Jesus lobt sie nicht, er bringt ihr Versagen zur Sprache, aber verurteilt sie nicht. Oder schauen wir auf den verlorenen Sohn und den barmherzigen Vater.

Wenn Papst Franziskus Barmherzigkeit sogar zum Thema eines Heiligen Jahres macht, dann dürfte ihm sehr daran gelegen sein, dass wir uns die Barmherzigkeit, die Gott uns schenkt, bewusstmachen. Wir dürfen nicht nur immer jammern, dass die Welt so schlecht ist, dass der Egoismus immer größer wird. Wir müssen dagegenhalten mit Liebe, Erbarmen, Versöhnung und Frieden. Dann sprechen wir die Sprache Gottes und Barmherzigkeit ist einer der Namen Gottes.
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