Barock verzierter Gang zierte einst herrschaftlichen Sommersitz
Der Lustbau im Gefängnis

Das stattliche Haus mit der Nummer 32 an der Wingershofer Straße gehörte einst zu den Dienstwohnungen der Strafanstalt: Hier logierte der Gefängnisarzt. Bild: Hartl

Diesen Schatz kennen sicher die wenigsten Amberger: ein prächtiger, barock verzierter Gang, der einst einen herrschaftlichen Sommersitz zierte. Diesen Teil des Anwesens gibt es noch - aber er ist nicht frei zugänglich. Tatsächlich gehört er heute zu den am besten gesicherten Orten der Stadt.

Die Ecke Ambergs, in die Stadtheimatpflegerin Beate Wolters die Leser heute mitnimmt, wartet mit allerlei Erstaunlichem auf. Die Wingershofer Straße beispielsweise verrät - wie viele der hiesigen Straßennamen - eine ganze Menge über das frühere Amberg.

Ambergs Wingert

Natürlich führt sie nach Wingershof. "Wenn man aber weiß, dass Wingert das früher benutzte Wort für Weingarten und Weinanbau war, dann erschließt sich das gesamte Gebiet, das im Süden vor den Toren der Altstadt von Amberg liegt", erläutert Wolters. Die Wingershofer Straße leitete zum Weinberg, der im Gebiet der heutigen Straßen "Am Rebenhang" und "Winzerstraße" lag.

"Trotz der gut gewählten Südlage wird der dort gewonnene Tropfen wohl kaum Beachtung unter Weinkennern gefunden haben", mutmaßt die Heimatpflegerin. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts sei dann auch nicht mehr von Weinanbau die Rede gewesen - "vielmehr werden Frankenwein, Moselwein, Ungarischer Wein und sogar Burgunder gehandelt". Dagegen sei aber damals die Zahl der Hopfengärten jährlich gewachsen, da jeder Bürger das Braurecht hatte.

Nicht nur Weingärten lagen laut Wolters einst vor den Toren der Stadt, auch ein herrschaftliches Gebäude beanspruchte Platz: Der Fürstenhof. "Tatsächlich heißt heute noch eine kleine Straße, die gleich hinter der JVA liegt, ,Fürstenhof'", berichtet Beate Wolters. Von ihm sei nichts stehengeblieben, als er im 17. Jahrhundert abgebrochen wurde. "Aber an gleicher Stelle entstand kurz danach eine kleine Landwirtschaft, die die Herren des Hofes auch zum Sommeraufenthalt nutzten."

Ein Schatz in der JVA

Die Reste dieses Lusthauses kennen laut Wolters die wenigsten: "Wer sein Leben lang brav geblieben ist und niemals hinter die Mauern der Justizvollzugsanstalt geblickt hat, kann sich nicht vorstellen, was sich hier verbirgt. Bei einer der wenigen möglichen Besichtigungen aber sieht man ihn: Inmitten der mehr oder weniger modernen Gefängnismauern fällt ein langer Gang auf - kreuzgewölbt und mit Stuckatur versehen, präsentiert sich plötzlich barocke Pracht."

Dieser Flügel ist nach den Worten der Heimatpflegerin "der letzte Rest des herrschaftlichen Lustbaues, der bis ins 18. Jahrhundert neben landwirtschaftlicher Nutzung sicher auch dem ländlichen Vergnügen der höfischen Gesellschaft diente" Und damit heute "ein irritierendes Relikt in der Justizvollzugsanstalt".

Das Gefängnis ende nicht an seiner Mauer, betont die Heimatpflegerin. In Amberg seien Ende des 19. Jahrhunderts direkt vor den Toren der Strafanstalt eine ganze Reihe von Dienstwohnungen für deren höhere Angestellten gebaut worden. "Durchaus repräsentative, villenartige Vorstadthäuser, wie sie in dieser Zeit rund um Amberg vor der Stadtmauer entstanden", so beschreibt es Wolters. Seit kurzem verschaffe die Wingershofer Straße mit ihrem neuen, sanften Bogen dem damaligen Dienstwohngebäude für den Anstaltsarzt des Gefängnisses eine regelrechte Insellage.

Die Hausnummer 32 "mit ihrem gefälligen Walmdach, den geschweiften Zwerchgiebeln und den guterhaltenen Verzierungen spricht in ihren Bauformen vom gehobenen Bürgertum", merkt Wolters noch an. Der ebenfalls erhaltene Gartenpavillon ergänze das Ensemble.

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