Barrieren in den Köpfen

Das Thema Barrierefreiheit am Bahnhof ist breit diskutiert worden. Wie aber steht es um behindertengerechte Zugänge an den Bushaltestellen in der Region? Die meisten Kommunen scheinen das Thema zu ignorieren.

Hans-Jürgen Haas, Geschäftsführer des Zweckverbands Nahverkehr Amberg-Sulzbach (ZNAS) stellte den Verantwortlichen in Städten und Gemeinden ein vernichtendes Urteil aus. "Auf das Thema Barrierefreiheit wird kaum reagiert", berichtete er bei der Verbandsversammlung am Freitag.

Ab 2022 Pflicht

Dem Bemühen des ZNAS, attraktive Buslinien anzubieten, stehe "in eklatanter Weise die Nicht-Berücksichtigung der Belange des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) bei kommunalen Straßenbaulastträgern" gegenüber. Dabei drängt die Zeit: Das Personenbeförderungsgesetz sieht vor, dass der ÖPNV bis Jahresbeginn 2022 flächendeckend barrierefrei ausgebaut sein muss - auch auf dem flachen Land. Aus diesem Grund hat Haas sämtliche Kommunen im Verbandsgebiet angeschrieben. Von 28 Städten und Gemeinden meldete sich lediglich eine einzige offiziell zurück: Hohenburg. Die Stellungnahme aus dem Rathaus im Lauterachtal beinhalte die Zusage, dass bei Haltestellen, die in den nächsten Jahren gebaut werden, auf Barrierefreiheit geachtet werde. Von zwölf Kommunen gebe es zumindest eine vage Aussage, 15 hätten überhaupt nicht reagiert - darunter auch größere Kommunen wie Auerbach, Kümmersbruck, Schnaittenbach und Vilseck. Laut Haas ist der Handlungsbedarf enorm. Seinen Erhebungen zufolge, seien die Belange von gehandicapten Menschen bisher lediglich an einem Prozent der Haltestellen im Verbandsgebiet berücksichtigt. Viele Kommunen hätten indes seit Jahren keinerlei Haushaltsmittel für den Bau oder den Unterhalt von Wartehäuschen zur Verfügung gestellt.

Cerny gelobt Besserung

"Gerade in Amberg ist dies seit Jahren leider üblich", heißt es im Sachstandsbericht, den Haas dem Gremium vorlegte. "Zwischenzeitlich werden sogar Wartehallen ersatzlos abgebaut (zum Beispiel aktuell an der Haltestelle Drahthammerkreuzung), weil keine Mittel für Reparatur oder den Ersatz vorhanden sind." Hinzu kämen viele planerisch falschen Entscheidungen: Einen Fahrradweg zwischen Bus-Ausstieg und Wartehäuschen verlaufen zu lassen, sei so eine.

Oberbürgermeister Michael Cerny gelobte für seinen Zuständigkeitsbereich Besserung. Für 2016 und die Folgejahre seien im städtischen Haushalt jeweils 150 000 Euro für das Thema ÖPNV und Barrierefreiheit eingestellt. Cerny setzt bei den anstehenden Um- oder Neubauten auf das Inklusionsbündnis. "Wir werden mit den Betroffenen reden, was für sie am sinnvollsten ist und jeden Einzelfall prüfen", erklärte der Rathauschef.
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