Bauausschuss hat Bedenken und will erst ADFC hören
900 Meter Radweg für 660.000 Euro

Im Moment ist der Radweg an der Köferinger Straße ein Ding der Unmöglichkeit: Kaum hat er begonnen, ist er schon wieder zu Ende. Der im Herbst 2013 gefasste Stadtratsbeschluss sah zunächst vor, die Radler zwischen Fahrbahn und Wohnbebauung (linker Bildrand) zu ihrem Recht kommen zu lassen. Mittlerweile favorisieren die Verantwortlichen im Baureferat und Rathaus allerdings eine andere Lösung. Und die heißt Warten. Bild: Huber
Amberg. (tk) Auf dem Wunschzettel steht ein Radweg entlang der Köferinger Straße schon seit Jahren. Birgit Wittmann, die Vorsitzende des CSU-Ortsverbands Sebastian hatte eine entsprechende Forderung bereits 2009 bei einer Bürgerversammlung formuliert. Den dazugehörigen Beschluss hatte der Stadtrat 2013 gefasst. Im Grünstreifen zwischen Fahrbahn und Bebauung des D-Programms sollte für 400.000 Euro ein neuer Radweg entstehen - Eröffnung mit Fertigstellung des Kreisverkehrs vor dem Bundeswehrkrankenhaus. Dieser Rundkurs ist seit April für den Verkehr freigegeben. Der Radweg allerdings ist nicht zu erkennen. Und das wird vorerst auch so bleiben.

Die genehmigte Variante entlang der Bebauung wurde im Baureferat und Rathaus nicht mehr als optimal angesehen (wir berichteten). Es sei leichter und ungefährlicher, die Radler-Strecke auf der gegenüberliegenden Seite zu schaffen, hieß es im Frühjahr, als bekannt wurde, dass der zwei Jahre alte Beschluss gekippt wurde. Ein neuer sollte nun im Bauausschuss her, doch daraus wurde nichts. Baureferent Markus Kühne hatte zwei Varianten vorgestellt. Die eine kostet über 2,3 Millionen Euro, sieht zwei separate Bahnen rechts und links der Straße vor. Das Problem: Der 50 Jahre alte Kanal, der darunter verläuft, müsste bei der Gelegenheit eventuell erneuert werden.

Kühne empfahl dem Gremium vor diesem Hintergrund das zweite Modell. Dieses verliefe mit Begegnungsverkehr auf der Straßenseite, auf der ein Teilstück des Radwegs bereits zu erkennen ist. Kosten: 660 000 Euro. So ganz wohl war Bernhard Schöppl (CSU) angesichts der Kosten nicht. Er wollte wissen, in welchem Zustand sich der Kanal befinde. Kühnes Antwort war zwangsläufig keine Entscheidungshilfe: "Er ist zu jung, um ihn zu erneuern und zu alt, um einfach darüber zu bauen." Michaela Frauendorfer brachte einen ganz anderen Gedanken nicht mehr aus ihrem Kopf: "660 000 Euro für 900 Meter? Für das Geld kann man an anderer Stelle mehr ausbauen." Damit war die Diskussion eröffnet, zumal auch Oberbürgermeister Michael Cerny sagte: "Selbst der größte Radwege-Fan wird bei dieser Summe sagen: Schaut's nochmal drüber!"

Dieter Amann (SPD) warnte eindringlich dafür, Schöppls Vorschlag zu folgen und die Abstimmung zu verschieben: "Den Radweg haben wir schon ewig auf der Agenda. Wir können das nicht wieder vertagen." Die Mitglieder des Bauausschusses verständigten sich dennoch darauf. Bis Oktober soll Markus Kühne Details über den Zustand des Kanals liefern. Zudem soll der Allgemeine Deutsche Fahrradclub gehört werden und mitteilen, ob das Geld an einer anderen Stelle des Radwegenetzes eventuell besser investiert wäre." Da die Summe in den Haushalt für 2016 einkalkuliert werden soll, drängte Kämmerer Franz Mertel auf eine zügige Entscheidung: "Erst Geld einstellen und dann schauen, wofür wir es ausgeben, ist sicher der falsche Weg."
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