Bauern zwischen Panik und Wut

"Die Milchmarktkrise 3.0" sei ein politisches Totalversagen: Ihre Wut brachten Bauern aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach mit ihren Schleppern und Protestplakaten zum Ausdruck. Bilder: gf (2)

Die Stimmung schwankt zwischen Panik und Wut. Der Protest gegen zu geringe Milchpreise hat am Samstag auch Bauern aus dem Landkreis in Weiden auf die Straße getrieben. Wenn auch nicht in der erhofften Zahl.

Die Demonstranten sind sich sicher: Ein Überangebot an Milch und zu geringe Preise für die Erzeuger werden zum Ruin vieler landwirtschaftlicher Betriebe führen, die auf Milchviehhaltung gesetzt haben. Am Samstag protestierte der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) in Weiden, morgen folgt eine Groß-Demo in München.

Enttäuschende Resonanz

Etwas enttäuscht war Helmut Graf, der örtliche Teamleiter des BDM, am Samstag schon, als sich nur eine überschaubare Anzahl von Landwirten auf dem Amberger Dultplatz einfand, um gemeinsam zur Protestkundgebung nach Weiden (Bericht darüber auf Seite 3) aufzubrechen. In Hirschau schlossen sich weitere Milchviehhalter aus dem nördlichen Landkreis an. Graf meinte, Milchpreise um 30 Cent brächten keinen Ertrag mehr - daher die Proteste.

Der Milchmarkt müsse so gestaltet werden, dass die Bauern zu echten Teilnehmern werden und auch Einfluss auf das Marktgeschehen nehmen können. Mit Preisen von knapp über 50 Cent im Supermarkt sei der Verbraucher zufrieden - nur, was davon letztlich für den Milchbauern bleibe, ruiniere dessen Existenz. Adressat der Proteste ist laut Graf neben dem Bauernverband auch die Staatsregierung und damit Ministerpräsident Horst Seehofer als Chef des größten Milcherzeugerlandes Bayern. Die Landwirte fordern von Agrarminister Helmut Brunner (CSU), innerhalb der Bundesregierung endlich Verantwortung zu übernehmen und es nicht bei Lippenbekenntnissen zu belassen. Graf verwies auf drei große Milchpreis-Krisen innerhalb von sechs Jahren: Die Politik habe diese lapidar als ganz normale Marktschwankungen bezeichnet, mit denen man umgehen könne. Dies zeige, dass Politiker keine Ahnung hätten, was das für die Bauern, deren Familien sowie den ganz ländlichen Raum bedeute.

Gefahr für die Jungen

Massive Kostensteigerungen in sechs Jahren, aber der Milchpreis auf dem Stand von 2009 - das könne nicht gut gehen. Dies gefährde sogar die nächste Generation, die eventuell bereit wäre, den landwirtschaftlichen Betrieb weiterzuführen.
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