Bei Bränden ist er immer da

Beim Prozess gegen einen mutmaßlichen Brandstifter vor dem Landgericht glaubt so recht keiner mehr daran, dass der 56-jährige Angeklagte immer zufällig als Zuschauer oder auch Entdecker vor Ort war, wenn Feuer loderten.

Amberg. (hwo) Nach vier Bränden in Amberg, drei davon in einer Februarnacht dieses Jahres, hatten Kripofahnder den 56-Jährigen in seiner Wohnung im Dreifaltigkeitsviertel aufgesucht. Dabei machten sie eine merkwürdige Beobachtung: An den Zimmerwänden hingen Plakate von der Feuerwehr und Fotos von Bränden. Nach ersten Befragungen wurde eine Kriminalbeamtin konkret. Wo er sich denn am Abend und in der Nacht davor aufgehalten habe, wollte sie wissen. Die Antwort: "Erst bei einem Freund und dann daheim."

Die Ermittlerin ließ nicht locker. Sie wusste, dass einer der Brände in einem Haus an der Georgenstraße gelegt worden war und bohrte nach: "Waren Sie in der Georgenstraße?" Das gab der Mann sofort zu. Gegenüber ihr und jetzt auch vor der Ersten Strafkammer versuchte er allerdings, die Dinge günstig für sich darzustellen: "Ich war völlig durcheinander."

Von Leiche war die Rede

Der 56-Jährige befand sich unweit des Tatortes beim sogenannten Seidl-Gassl, als es zu brennen begann. Er tauchte Stunden später an zwei Containern neben seiner Wohnung auf. Auch sie waren angezündet worden. Wenige Tage zuvor hatte es einen Kellerbrand am Mosacherweg gegeben. Auch dort mischte er sich unter die Leute. Später erzählte er seiner Freundin von Beobachtungen. Da sei, hörte die Frau, eine Leiche herausgetragen worden. Sie schenkte dieser Information keinen Glauben. Sie stimmte auch nicht.

Mit Bränden hatte der 56-Jährige sehr oft zu tun. Das begann schon vor vielen Jahren, als man ihn in Nordrhein-Westfalen auf Bewährung aus der Psychiatrie entließ. Bald darauf brannte ein Gartenhaus. Die Polizei ermittelte ihn als Täter, er wurde deshalb in die Forensik zurückgeschickt. "Das war kein Gartenhaus. Nur Müll und Abfall", sagte er jetzt den Richtern. Er selbst habe da für eine kontrollierte Verbrennung des Unrats gesorgt. In den Unterlagen tauchte ferner auf, dass er grundlos Alarm zu einem Feuer auslöste.

Ab dem Jahr 2003 ging es dann in der Oberpfalz weiter. In Harschhof bei Schmidmühlen brannte es, auch in einem Anwesen an der Merianstraße in Amberg. An beiden Orten hatte der 56-Jährige damals seinen Wohnsitz. 2013 ging es weiter. Im Dreifaltigkeitsviertel qualmte es aus einem Müllbehälter. Gleich neben der Wohnung des 56-Jährigen, der damals gerade erst dorthin gezogen war. Nachweisen aber konnte man ihm nichts.

"Verdeckter Ermittler"

Irgendwie, so hat sich zwischenzeitlich herausgestellt, will der in Heimen aufgewachsene Mann aus Duisburg auf sich aufmerksam machen, eine Mittelpunktfunktion einnehmen und imponieren. Im Verlauf des Prozesses wurde deutlich, dass der 56-Jährige in Amberg gegenüber anderen gerne als "verdeckter Ermittler" firmierte, mit Handschellen ausgerüstet war.

Die Zeugen sind unterdessen vernommen. Heute werden die Gutachter gehört. Ihnen schenkt der 56-Jährige immer wieder seine Blicke. "Ich möchte, dass hier alles ganz genau genommen wird", hat er unterstrichen." "Davon können Sie ausgehen", entgegnete ihm die Kammervorsitzende Roswitha Stöber.
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