Bei brisanten Deals stand V-Mann im Hintergrund - Dreieinhalb Jahre Haft für 34-jährigen ...
Kokainhandel unter amtlicher "Aufsicht"

Der regionale Drogenschwarzmarkt wird zwar von Crystal Speed dominiert. Doch dann und wann taucht auch Kokain noch auf. Manchmal in größerer Menge. Vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts ging es um 150 Gramm, die ein selbstständiger Unternehmer aus Amberg an einen Freund in Sulzbach-Rosenberg verhökerte.

Plötzlich ein Geständnis

Der 34-Jährige hatte sich während der Ermittlungen eher zugeknöpft gezeigt. Nun legte er ein Geständnis ab und räumte ein, das Kokain bei insgesamt drei Transaktionen an einen Kumpel weitergegeben zu haben. Einmal 15 Gramm, dann 35 Gramm, wobei sich die Preise pro Einheit zwischen 75 und 80 Euro einpendelten. Das war im Januar dieses Jahres. Die dritte "Lieferung" im Februar war deutlich unfangreicher. Sie wog 100 Gramm und wurde dem 30 Jahre alten Ankäufer auf "Kommissionsbasis" in Sulzbach-Rosenberg übergeben.

Staatsanwältin Manuela Zeller nannte das Geständnis "überraschend". Das verkürzte die Verfahrensdauer erheblich, zumal sich Verteidiger, Anklagevertreterin und Gericht bei einem sogenannten Rechtsgespräch hinter verschlossenen Türen auf eine Freiheitsstrafe zwischen dreieinhalb und vier Jahren für den Fall geeinigt hatten, "dass der Beschuldigte reinen Tisch macht." Er tat es.

Der Mann aus Amberg, von einem ebenfalls den Behörden bekannten Dealer beliefert und selbst kokainabhängig, bekam für seine Vermittlerdienste von jedem Verkauf ein paar Gramm als "Provision" ab. Was er nicht wusste, war: Bei den Kokaingeschäften stand ein von der Staatsanwaltschaft geführter V-Mann im Hintergrund. In sie verwickelt war auch eine verdeckte Ermittlerin der Polizei. Durch die Verteidigung wurde jetzt im Prozess kritisiert, dass diese Personen besonders das letzte Geschäft mit 100 Gramm Kokain fordernd vorangetrieben hätten. Die "Schatten"-Leute selbst wurden nicht vernommen. Ihre Identitäten blieben anonym.

Drei Verhandlungstage waren ursprünglich angesetzt. Doch die Schlussvorträge wurden bereits nach fünf Stunden gehalten. Zuvor noch hatte die psychiatrische Fachärztin Dr. Anna Wunder-Lippert (Nürnberg) dem 34-Jährigen trotz bisher zehn in U-Haft verbrachter Monate und sogenanntem "kalten Entzug" eine "konstante Abhängigkeit" bescheinigt und sich in ihrem Gutachten für eine längere Unterbringung in der Drogentherapie ausgesprochen. Diese Maßnahme empfahl auch Staatsanwältin Zeller der Strafkammer. Zudem beantragte sie eine vierjährige Haftstrafe und sagte dabei: "Er stand unter laufender Bewährung und ist keiner, der seine Geschäfte unter Druck gemacht hat."

90 000 Euro Schulden

"Dreieinhalb Jahre reichen aus", ließen die Verteidiger Franz Wittl (München) und Richard Müller (Nürnberg) erkennen. Auch sie wollten ihren Mandanten in den Drogenentzug geschickt wissen und unterstrichen übereinstimmend: "Wenn er hier nichts gesagt hätte, wäre es mit der Beweisführung schwer geworden." Außerdem führten die Anwälte der Kammer vor Augen: "Wenn dieser Mann wieder herauskommt, muss er bei Null anfangen." Den 34-Jährigen, einst der Chef von 20 Mitarbeitern, drücken unterdessen rund 90 000 Euro Schulden.

Die Kammer honorierte das Geständnis. Sie schickte den Angeklagten für dreieinhalb Jahre hinter Gitter und ordnete eine Drogentherapie an. Nach erfolgreich verlaufenem Entzug kann er auf Bewährung hoffen.
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