Berge, Schweiß und ein Papst

Ganz ohne "Stangerl" fotografiert: Werner Döllinger und Jürgen Schossig (von links) ließen sich auf dem Petersplatz von einem Holländer ablichten, den sie schon auf der Strecke getroffen hatten. Bild: hfz

In 14 Tagen von Amberg nach Rom: Jürgen Schossig und Werner Döllinger schauten mit dem Radl bei Papst Franziskus vorbei.

Ja, so stellt man sich die Fahrt über die Alpen als Freizeitradler vor: "Es war brutal." Nach vielen Bergen, unzähligen auf der Strecke vergossenen Schweißtropfen und einer Audienz beim Papst können sich Jürgen Schossig (62) und Werner Döllinger (69) immer noch ziemlich gut leiden. Im Interview erzählen die beiden gut gelaunt von ihrer Tour nach Rom. Am Pfingstsonntag starteten sie mit dem Fahrrad von Amberg aus. 14 Tage später standen sie auf dem Petersplatz. Das eingespielte Duo plant schon den nächsten Coup: Nach Wien, Paris und eben Rom geht es nächstes Jahr mit dem Radl nach Amsterdam.

Hand aufs Herz: Wie geht's Ihrem Hintern?

Darauf kann man jetzt Kartoffeln reiben.

Wir fahren beide mit einem harten Ledersattel. Der ist schon längst auf unsere Hintern eingefahren.

Zurück zum Anfang: Sie hatten Ihr ganzes Gepäck auf dem Fahrrad dabei. Wie schwer war es?

20 Kilo. Jeder von uns hatte sogar ein Zelt dabei.

Und auch darin geschlafen?

Gleich in der ersten Nacht nach 115 Kilometern Fahrt. Da haben wir wild gezeltet hinter einer Scheune.

Ich glaube, das war das erste Mal seit 50 Jahren, dass ich gezeltet habe.

Hatten Sie die restlichen Übernachtungen geplant?

Überhaupt nicht. Wir hatten nur bei meiner Tochter in München und in Rom gebucht. Sonst sind wir auf gut Glück durchgefahren. In Lenggries wollten wir in die Jugendherberge, weil ich da als Halbstarker schon mal übernachtet habe.

Aber?

Aber wir haben keinen Platz bekommen wegen des G7-Gipfels. Dann mussten wir ins Hotel.

Zum Start wurden Sie mit Traumwetter verwöhnt.

Kurz vor Lenggries hat es einmal zehn Minuten geregnet. Das war das einzige Mal auf der ganzen Strecke, dass wir nass geworden sind.

Gab es größere technische Pannen auf der Strecke?

Mir sind Speichen gerissen.

In Rom selbst hatte ich einen Platten. Wir waren öfter bei Fahrradhändlern, die uns immer schnell helfen konnten. Auf dem Weg nach Innsbruck ist mein Gepäckträger gebrochen.

Dort haben wir auch das erste Mal in einer Jugendherberge übernachtet.

Ich dachte, ich bin der älteste Knacker. Beim Frühstück saßen dann aber noch ältere da. Die waren bestimmt über 80.

Das war der Tag des Brenners. 40 Kilometer bergauf, ein Keuchen und Leiden. Ich wollte nur raufkommen. Bin dann auch abgestiegen und hab geschoben.

Ich wollte raufradeln. Freilich war das anstrengend. Aber ich habe es geschafft.

Weiter ging die Strecke von Trient über Verona nach Ravenna.

Da mussten wir plötzlich unsere Tour umplanen, weil eine Straße für Radfahrer nicht erlaubt war. Also sind wir, wenn man den Stiefel ansieht, quer rüber. Dann ging es nur noch rauf und runter. Ein Berg war geschafft, dann kam der nächste. Plötzlich war die Straße gesperrt. Wir haben uns dafür entschieden, trotzdem am Rand weiterzufahren. Zurück hätte ich nicht mehr geschafft.

War das nicht gefährlich?

Auf der Strecke hat man gesehen, dass die Straße zum Teil weggerutscht war. Ich hatte Angst, dass auch eine eingestürzte Brücke kommt und wir vor dem Abgrund stehen. Erst als uns Motorräder entgegen kamen, war ich entspannter.

Hat man dabei einen Blick für die malerische Landschaft?

Citta di Castello fand ich wunderschön. Da wollte ich gleich ein Foto machen. Allerdings wusste ich da noch nicht, dass unsere Strecke dort hinauf führt.

Wie sahen die Abende aus?

Am meisten gefreut habe ich mich abends auf die Dusche. Wir haben so geschwitzt wie noch nie in unserem Leben. Mein Fahrradcomputer hat einmal 43 Grad angezeigt. Soviel Wasser wie auf dieser Strecke habe ich auch noch nie getrunken.

Ging es gegen Ende des Weges leichter?

Mit dem Ziel vor Augen haben wir uns mehr Zeit gelassen. Wir sind die letzten drei Tage nur je 40 Kilometer gefahren. Als wir in Orvieto festgestellt haben, dass Rom quasi vor unserer Nase liegt, haben wir uns den Vormittag am Swimming Pool gegönnt. Wir waren die einzigen auf dem Campingplatz. Der Betreiber hat sogar die Fontänen für uns eingeschaltet. Pasta gab's zum Mittagessen auch.

War die Begegnung mit dem Papst das große Finale?

Ich hab's mir irgendwie feierlicher vorgestellt.
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