Bernsteinstraße

Schon auf die Römer, die Griechen und die Ägypter übte Bernstein magische Anziehungskraft aus. Das golden schimmernde fossile Harz stammt vor allem von den Küsten der Ostsee. Das Wasser wäscht den Bernstein am Meeresboden aus und schwemmt ihn an Land. Von dort gelangten die begehrten Steine einst auf alten Handelsrouten zu den Umschlagplätzen am Mittelmeer.

Europa durchziehen mehrere Bernsteinstraßen in Nord-Süd-Richtung. Eine davon führte vom Brenner kommend entlang des Inns und der Donau nach Regensburg. Der Brenner soll dem teuren Handelsgut sogar seinen Namen verdanken. Bernstein ist brennbar, da er aus Harz besteht. Er trug daher früher auch den Namen Brennstein.

Von Regensburg aus zieht sich die Trasse über die Steinerne Brücke nach Kallmünz, Siegenthan und Pittersberg bis Trisching - einem uralten Herrschaftssitz. Den Kreis Amberg-Sulzbach durchquert die Route dann weiter an alten Burgställen und Wallanlagen vorbei von Etsdorf über Hainstetten, Schnaittenbach nach Kohlberg. Über Marktredwitz erreichten die Bernsteinhändler Magdeburg und konnten von dort entweder Richtung Hamburg oder nach Danzig weiterziehen.

Seit einigen Jahren gibt es im Wald zwischen Schnaittenbach und Hainstetten einen Bernsteinwanderweg. Auf sehr wenig Asphalt, aber dafür auf vielen Wanderpfaden führt die etwa 12 Kilometer lange Strecke durch lichte Mischwälder und bietet einige spektakuläre Ausblicke von den Hängen des Buchbergs aus. Besonders schön zu sehen ist die alte Bernstein-Trasse am Nordhang des Rotbühls. Wie eine Sommerrodelbahn zieht sich einer der Hohlwege des alten Straßensystems hinunter zur Fensterbachquelle.

Solche Hohlwege - zumal, wenn sie an Hängen parallel zueinander verlaufen - sind typisch für Altstraßen. Mit ihrer Kartierung befassen sich Wissenschaftler der Universität Regensburg, aber auch mehrere private Initiativen. So hat der aus Schnaittenbach stammende Heimatkundler Franz Flammersberger unter anderem die Bernsteinstraße erforscht und das Teilstück zwischen Regensburg und Weiden in Karten eingezeichnet. Eine der bekanntesten Altstraßen unserer Region ist die Goldene Straße, die als Verbindung zwischen Nürnberg und Prag diente. Ihr Verlauf ist nicht nur anhand von Hohlwegen, Flurbezeichnungen und Siedlungen nachvollziehbar, über sie berichten auch zahlreiche schriftliche Hinweise in den Archiven. Das ist bei der Bernsteinstraße, die hauptsächlich zu vorchristlicher Zeit frequentiert wurde, nicht der Fall. (upl)
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