Berufsverbot für Erzieherin (57)

Sie fütterte einem Kind so lange Joghurt, bis es sich übergeben musste. Das, was der Bub zurück ins Schüsselchen spuckte, gab sie ihm wieder. In ähnlicher Weise verfuhr sie bei einem anderen Kind mit der Suppe. Dafür bekam die Erzieherin gestern am Amtsgericht eine Bewährungsstrafe - plus ein fünfjähriges Berufsverbot.

Wegen drei Fällen von Misshandlung von Schutzbefohlenen und zwei in Tateinheit mit Nötigung verurteilte Richterin Julia Taubmann die Angeklagte zu einer eineinhalbjährigen Haftstrafe (ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung) und zu einer Geldbuße von 2500 Euro (zu zahlen an die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft). Zudem verhängte sie ein Berufsverbot, im Hinblick auf das Alter der Frau - sie ist 57 - zeitlich begrenzt: Fünf Jahre lang darf die Angeklagte nicht als Erzieherin oder Kinderpflegerin tätig sein. "Es kann nicht sein, dass ihr nochmals Menschen anvertraut werden zur Pflege", fand die Richterin deutliche Worte und fügte an: "Man muss insbesondere die Kinder schützen." Taubmann sprach auch davon, dass die angeklagten Taten die Spitze des Eisbergs seien. Bei der Zeugenvernehmung war es nämlich auch darum gegangen, dass die Frau den Kindern Papierschnipsel auf den Teller legte, weil diese sie vorher auf den Boden geschmissen hatten und nicht mehr aufheben wollten.

"Ton nicht kindgerecht"

Dafür bekam sie eine Abmahnung, wie die Trägerin der Einrichtung vor Gericht bestätigte. Nach Bekanntwerden der Vorfälle gab es für die 57-Jährige eine fristlose Kündigung und ein Hausverbot. Die Zeugin sagte, dass die Angeklagte sehr viel Wert auf Disziplin gelegt habe. Dies bestätigte die Leiterin der Einrichtung. Sie äußerte zudem, dass der Ton der Erzieherin "nicht kindgerecht" war.

Mit dem Strafmaß folgte Taubmann dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Deren Sitzungsvertreterin, Dr. Isabel Rupprecht, hatte betont, sie halte die Aussage der Zeuginnen (eine Erzieherin und eine Kinderpflegerin, die mit der Angeklagten in einer Gruppe waren und deren Taten beobachtet hatten) für glaubwürdig. Beide Frauen hätten keinen "Belastungseifer" gezeigt.

Der Verteidiger mühte sich redlich, in seinem Plädoyer die Einlassungen der Zeuginnen massiv in Frage zu stellen. Bernhard Geßlein, Rechtsanwalt aus Chemnitz, verstieg sich dabei fast schon zu kruden Verschwörungstheorien. Der einen unterstellte er, sie als "Erzieherin aus dem mondänen München" sei unzufrieden gewesen, einer "gelernten DDR-Bürgerin", also seiner Mandantin, unterstellt gewesen zu sein. Deshalb habe sie gestänkert. Die Kinderpflegerin, laut Geßlein "aus Altbayern stammend", habe übertrieben. Für die Angeklagte, die gegen einen Strafbefehl (ein Jahr auf Bewährung) Einspruch eingelegt hatte, forderte er einen Freispruch.

Rund und schlüssig

Taubmann bezeichnete in ihrer Urteilsbegründung die Aussage der beiden Zeuginnen als rund und schlüssig. Dies sei nicht aus Bösartigkeit oder einer Ost-West-Philosophie heraus geschehen. Zumal zwei Kinder jeweils ihren Müttern erzählt hätten: "Ein Kind musste sein Erbrochenes essen" und "Heute hat einer seine Kotze gegessen."
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