Betroffene Väter und Mütter wollen Familienstatus - Bei Podiumsdiskussion auch Hartz IV ein ...
Alleinerziehende fühlen sich allein gelassen

Amberg in der Oberpfalz
21.09.2004
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Geschieden, verwitwet, getrennt lebend, ledig - so verschieden die Gründe, so unterschiedlich sind auch die Lebensumstände von Alleinerziehenden. Bundesweit leben zwei Millionen von ihnen mit knapp drei Millionen Kindern in dieser Form. Sozial immer noch nicht völlig anerkannt, mit wirtschaftlichen Risiken und mit Vorurteilen belastet - so stellt sich die aktuelle Lage für viele dar.

Ob bei der Kinderbetreuung, politisch, finanziell oder gesellschaftlich fühlen sich viele Alleinerziehende, in der Hauptsache Frauen, immer noch benachteiligt. Sie wollen zudem sowohl steuerlich besser eingestuft (jetzt Klasse II) als auch gemeinsamen erziehenden Familien gleichgestellt werden. So jedenfalls lautete am Samstag nach einer Podiumsdiskussion im Evangelischen Gemeindehaus der allgemeine Tenor.

Verlierer der Reform?

"Alleinerziehende die Verlierer der Hartz IV-Reform" und "Bildung und Ausbildung der Kinder noch finanzierbar?" waren die Kernpunkte einer Podiumsdiskussion, zu der Elisabeth Jurklies-Kelsch, Treffpunktleiterin der Gruppe alleinerziehender Mütter und Väter Amberg-Sulzbach, kompetente Gesprächspartner eingeladen hatte. Die Moderation hatte die Nürnbergerin Birgit Löwe, Vorstandsmitglied des Diakonischen Werks. Rede und Antwort standen die Bundestagsabgeordneten Ursula Sowa (Grüne) und Barbara Lanzinger (CSU) sowie Diplom-Sozialpädagogin Maria Plank von der Frauenseelsorge Regensburg, Agnes Sitzberger, Vorsitzende der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft Alleinerziehende Mütter und Väter, sowie als einziger männlicher Vertreter Andreas Moser (SPD), Anwalt für Familienrecht.

Alleinerziehenden stellt sich nicht nur eine finanzielle wirtschaftliche Frage, diese Lebensform unterliegt auch einer moralischen und ethischen Wertung - das wurde sowohl bei den Redebeiträgen der Fachleute als auch von Seiten der Zuhörer ganz deutlich.

Systemwechsel steht an

Man hat sehr wohl anerkannt, dass bestimmte Veränderungen und ein Systemwechsel an steht, indes sollten "bestimmte Gruppen" nicht vergessen werden, in einer Phase, in der sich das traditionelle Familienbild geändert habe, hieß es. "Durch Hartz IV seien Alleinerziehende sogar besser gestellt", war als Tendenz zu erkennen. Die Existenzsicherung, die Situation auf dem Arbeitsmarkt und das unzureichende Angebot an ganztägigen Kinderbetreuungsplätzen macht es Alleinerziehenden offensichtlich immer noch schwer, ihrer deutlich ausgeprägteren Erwerbsneigung nachzugehen bzw. diese existenzsichernd auszubauen, so dass sie auf ergänzende Sozialhilfe verzichten könnten.

Alleinerziehende - sie fühlen sich wohl in vielen Bereichen immer noch allein gelassen. Insofern war diese Veranstaltung eine treffliche Gelegenheit, auf die Sorgen, Nöte und Ängste hinzuweisen.
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