Bewährungsstrafe für Erzieherin: Sie schob Kindern Erbrochenes zurück in den Mund
Schützlinge misshandelt

Eine 57-jährige Erzieherin wurde am Freitag am Amtsgericht Amberg wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen in drei Fällen und Nötigung in zwei Fällen zu einer Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren verurteilt: Sie hatte Kinder so lange gefüttert, bis diese Nachspeise, Joghurt oder Suppe wieder erbrachen. Das, was die Kinder ausspuckten (zwei Mal ins Schüsselchen, einmal in ihre Hand, die sie unter das Kinn eines Buben gehalten hatte), schob sie ihnen zurück in den Mund.

Zu den Vorwürfen äußerte sich die Angeklagte nicht. Als Zeuginnen sagten zwei Mitarbeiterinnen ihrer Gruppe, eine Erzieherin und eine Kinderpflegerin, aus. Sie hatten die Vorfälle beobachtet. Deren Aussagen schenkten sowohl Staatsanwältin Dr. Isabel Rupprecht als auch Richterin Julia Taubmann Glauben. Verteidiger Bernhard Geßlein aus Chemnitz hingegen behauptete, die eine Zeugin sei "als Erzieherin aus dem mondänen München" unzufrieden darüber gewesen, einer "gelernten DDR-Bürgerin", nämlich seiner Mandantin, unterstellt zu sein und habe deshalb "gestänkert".

Dieser Theorie erteilte Richterin Taubmann eine klare Abfuhr. Die Aussagen seien weder aus Bösartigkeit noch aus einer Ost-West-Philosophie heraus erfolgt. Beide Zeuginnen seien über das, was sie gesehen hatten, sehr erschüttert gewesen. Julia Taubmann führte aus, dass außerdem zwei Kinder unabhängig voneinander ihren Müttern die Vorkommnisse im Kindergarten geschildert hatten: "Ein Kind musste sein Erbrochenes essen" und "Heute hat ein Kind seine Kotze gegessen".

Die Taten bezeichnete die Richterin als "Spitze des Eisbergs" und nannte sie "besonders grausam". Zur Sprache gekommen war nämlich auch, dass die Erzieherin einmal, als die Kinder Papierschnipsel zu Boden warfen und sie nicht mehr aufheben wollten, ihnen diese auf den Teller legte. Nach diesem Vorfall hatte die Frau, die das gegenüber der Kindergarten-Trägerin als Scherz abtat, eine Abmahnung bekommen, nach Bekanntwerden der Taten, für die sie letztendlich verurteilt wurde, eine fristlose Kündigung.
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