Bewährungsstrafen nach Überfall auf einen Pizza-Lieferanten - Täterin stimmt Therapie zu
Räuber bleiben auf freiem Fuß

Wer nach einem Raubverbrechen mit Bewährung den Saal verlässt, der sollte eigentlich dem Gericht danken und sich freuen. Doch davon war eher wenig zu merken im Amberger Landgericht. Denn irgendwie hätte sich eine mit auf der Anklagebank sitzende Frau noch etwas mehr an Entgegenkommen erwartet.

Auf das, was in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft zusammengefasst war (wir berichteten), wäre an sich eine Mindeststrafe von fünf Jahren Freiheitsentzug gestanden: Überfall auf einen Pizzafahrer im südlichen Landkreis, mit Pfefferspray gegen das wehrlose Opfer vorgegangen und dann geflüchtet, weil an die gefüllte Geldbörse des 20-Jährigen nicht heranzukommen war. Die Beute bestand letztlich aus zwei Kartons, in denen sich frisch gebackene Pizzas befanden. Der ahnungslose Lieferfahrer war zuvor in einen Ort auf eine nachtdunkle Straße bestellt worden.

Minderschwerer Fall

Die Erste Strafkammer unter dem Vorsitz von Richterin Roswitha Stöber zeigte sich moderat. Sie signalisierte nach einem Rechtsgespräch mit Staatsanwältin und Verteidigern, dass womöglich von einem sogenannten minderschweren Fall ausgegangen werden könne. Mit der in Aussicht gestellten Folge von Bewährungsstrafen. Dem lag zugrunde: Beide Beschuldigen waren nicht vorbestraft, die von ihnen gemachte Beute wurde als eher geringwertig eingestuft.

Geld für Party-Stoff

Das räuberische Duo bestand aus einem Mann und einer Frau aus dem Städtedreieck. Mit ihr hatte die Strafkammer dann sehr überraschend Schwierigkeiten. Die 29-Jährige ist Drogenkonsumentin, bei ihr besteht nach Ansicht des Landgerichtsarztes Dr. Reiner Miedel der dringende Bedarf für eine längerfristige Therapie. In einen Entzug aber mochte sich die Angeklagte unter keinen Umständen begeben.

Ausschlaggebend für längere Diskussionen war eine konkrete Äußerung der Kammervorsitzenden Stöber. Sie ließ erkennen: "Ohne Zustimmung zur Therapie wird es schwierig mit der Bewährung." Diese Zustimmung kam dann.

Die Frage, warum der Überfall im April letzten Jahres geplant und ausgeführt wurde, konnte in der Verhandlung geklärt werden. Der 26-jährige Beschuldigte war immer mal wieder Gastgeber für Bekannte gewesen. Dazu zählte auch die verheiratete Frau. Als dann im Kühlschrank die Vorräte aufgebraucht waren, sollte Geld beschafft werden, um ihn aufzufüllen.

Deshalb wurde der Pizzabote spätabends auf eine dunkle Straße bestellt und dort, von ihm völlig unerwartet, angefallen. Die 29-Jährige hatte sich dazu maskiert. "Dümmer ging es nicht", sagte einer der Verteidiger in einem Nebensatz. Beobachter hatten allerdings den Eindruck: dreister auch nicht.

Erfolg der Verteidiger

Die beiden Angeklagten bekamen jeweils zwei Jahre Haft zur Bewährung. Im Falle der 29-jährigen Frau wurde eine mindestens vier Monate dauernde Drogentherapie als Bewährungsauflage verhängt. Die Strafen entsprachen den Anträgen der Verteidiger Jürgen Mühl und Michael Frank.

Staatsanwältin Dr. Isabel Rupprecht hatte drei Jahre Gefängnis für die beiden Räuber gefordert. Bewährung wäre bei dieser Strafe ausgeschlossen gewesen. (Angemerkt)
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