Bewohner und Mitarbeiter des Klinikums St. Marien backen zusammen
Chefarzt pinselt Schokoguss

Ein Klassiker der Weihnachtsbäckerei: Butterplätzchen. Mit Schokoguss bestrichen und mit bunten Zuckerstreuseln verziert, sind sie nicht nur ein Hingucker, sondern schmecken gleich doppelt so gut. Die Plätzchen wurden in Tütchen abgepackt und an die Patienten auf der Geriatrie-Station verteilt. "Darüber haben sich alle wahnsinnig gefreut", erzählt Dr. Alexandra Bloch. Bild: Hartl

Vanillekipferln, Butterplätzchen, Spritzgebäck: Gebacken wird momentan, was das Zeug hält. Selbst im Klinikum St. Marien. Doch nicht etwa in der Küche, sondern direkt auf Station.

Wer an diesem Tag zur Geriatrie im Klinikum wollte, musste ab dem Treppenhaus einfach nur seiner Nase vertrauen. Himmlisch gut roch es nach Weihnachten. Wer dem Duft von Plätzchen frisch aus dem Ofen folgte, landete schnurstracks im Aufenthaltsraum der Station - kein Wunder, hatte dieser sich doch für einen Nachmittag in eine Weihnachtsbäckerei verwandelt.

Der Teig - insgesamt fünf Kilo - war am Vortag zubereitet worden, zum Teil in der Ergotherapie-Stunde. Butterplätzchen, Vanillekipferln und Spritzgebäck machen die zehn Senioren, die zum Plätzchenbacken gekommen waren. Weihnachtsstimmung stellt sich dabei von selbst ein. Hannelore Bachfischer (77) und Hildegard Wirsching (80), die sich ein Zimmer teilen, sind für das Spritzgebäck zuständig. Während eine der Damen den Fleischwolf bedient, schneidet die andere mit einem Messer den in Wellenform geprägten Teig ab und legt ihn auf Backpapier. Man sieht den beiden Frauen an, dass sie großen Spaß dabei haben. Und sie staunen, welch große Anzahl an Plätzchen es geworden sind. "Ich finde es schön, dass so etwas angeboten wird", freut sich Hannelore Bachfischer. "Da ist der Tag ein bisschen ausgefüllt." Ihr Zimmer teilen sich die Frauen mit einer weiteren Patientin. Eigentlich wollte diese auch am Backen teilnehmen, musste aber zu einer Untersuchung.

Die Lieblingsplätzchen

Hannelore Bachfischer und Hildegard Wirsching nehmen sich fest vor, ihr hernach ein paar Plätzchen als Kostprobe mitzubringen. Weihnachtsplätzchen gehören für die beiden Seniorinnen in der Adventszeit einfach dazu. Sie zählen auf, was sie daheim schon alles gebacken haben: Spritzgebäck, Butterplätzchen, Kokosmakronen, Schokoladenplätzchen, Zimtsterne und Engelsaugen. Bei ihren Lieblingsplätzchen muss Hildegard Wirsching nicht lange überlegen: "Das sind die Schokoladenplätzchen", sagt sie und verrät den Grund, warum ihr diese so gut schmecken: "Da ist kein Mehl dran." "Ohne Mehl?", fragt Hannelore Bachfischer. Und schon sind die beiden Frauen mittendrin im Fachsimpeln, tauschen Rezepturen und Geheimnisse der Weihnachtsbäckerei aus.

An einem anderen Tisch wellen Patienten den Teig für die Butterplätzchen aus und stechen Herzen und Glocken aus. Rasch wird der restliche Teig wieder verknetet und erneut ausgerollt und ausgestochen. So manches Stückchen wandert jedoch sofort in den Mund, ohne den Umweg über den Backofen zu nehmen - Naschen gehört schließlich zum Backen dazu. Viele fleißige Hände helfen bei den Plätzchen - Krankenschwestern genauso wie die Ergotherapeutin und die Psychologin, Ärztin Dr. Alexandra Bloch, deren Mutter Ilse Bloch und Hauswirtschaftsmeisterin Martina Schißlbauer, eine Freundin der beiden. Selbst Dr. Jens Trögner gesellt sich zu seinen Patienten. Arbeit in der Weihnachtsbäckerei gibt es genug für alle. Und so darf der Chefarzt der Geriatrie-Abteilung von St. Marien ebenfalls zum Pinsel greifen und gemeinsam mit den Senioren das frisch aus dem Ofen gekommene Buttergebäck mit Schokoguss bestreichen und bunten Zuckerstreuseln verzieren.

Davon zehren sie

Blech um Blech wird in den Ofen geschoben, Krankenschwester Petra Richthammer, die die Stationsleitung inne hat, passt auf, dass die Plätzchen nicht verbrennen. Nicht nur den Patienten, sondern auch ihr macht es großen Spaß. Sie weiß, wie gut Aktionen wie diese den Menschen auf der Station tun. "Davon zehren sie unheimlich lange."

Psychologin Jutta Bollwein, die ebenfalls mithilft, bestätigt dies: "Für die Patienten ist es ein tolles Gemeinschaftserlebnis." Angesprochen werden alle Sinne, der Duft der Plätzchen zieht in die Nase, das schön ausgestochene oder geformte Gebäck erfreut das Auge, die Vanillekipferln, das Spritzgebäck und die Butterplätzchen zergehen auf der Zunge.

Ilse Bloch schüttet eine Packung Puderzucker in eine große Schüssel. Gemeinsam mit zwei Senioren wälzt sie darin die Vanillekipferln - heiß müssen die Plätzchen noch sein, sonst bleibt der Puderzucker nicht an ihnen haften. Nach gut einer Stunde ist das Werk vollbracht, die Senioren bewundern ihre Plätzchen - und lassen sie sich sogleich zum Kaffee schmecken. Die restlichen Plätzchen werden in Tütchen abgepackt - für alle anderen Patienten.

"Ein Stück Alltag"

Am Ende blickt Dr. Alexandra Bloch in zufriedene Gesichter und strahlende Augen. Alle sind stolz auf das Gemeinschaftswerk. Auch die Ärztin bewundert die Vanillekipferln, das Spritzgebäck und die Butterplätzchen. Sie freut sich für ihre Patienten: "Für sie ist das ein Stück Alltag in der Klinik", sagt sie, als längst alles wieder aufgeräumt ist. Der Duft der Plätzchen verflüchtigt sich nicht so schnell - auf der Geriatrie riecht es an diesem Nachmittag noch lange so richtig herrlich nach Weihnachten.
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