Bildnis des schreibenden Erasmus von Rotterdam für das Erasmus-Gymnasium
"Heute wäre er ein Blogger"

Manfred Uhlig (links) überreichte das von Ludwig Haffner sen. gemalte Bild von Erasmus von Rotterdam an Schulleiter Peter Seidl. Bild: Steinbacher
Es ist ein berühmtes Werk, das den schreibenden Erasmus von Rotterdam zeigt, gemalt hat es Hans Holbein der Jüngere. Das Original hängt im Louvre in Paris, eine Kopie davon seit Donnerstag im Erasmus-Gymnasium. Die Kohlezeichnung hat Ludwig Haffner sen. angefertigt. Nach dem Tod des Mannes, der Pfarrer in Amberg war und bis zu seinem Ruhestand auch am Erasmus-Gymnasium als Religionslehrer wirkte, ging es in den Besitz des Sohnes Ludwig Haffner jun. über.

Als dieser jetzt mit seiner Frau in ein Seniorenheim zog, entschied er sich, es dem Amberger Gymnasium zu schenken. Am Freitag war sein Freund Manfred Uhlig, ebenfalls ein gebürtiger Amberger, aus München angereist, um das Bild offiziell an Schulleiter Peter Seidl zu übergeben.

Der Oktober sei der passende Monat, um das Geschenk zu überreichen, denn am 28. Oktober jährt sich der Geburtstag von Erasmus von Rotterdam zum 545. Mal, erklärte Uhlig. Direktor Seidl bezeichnete Erasmus von Rotterdam als einen der größten Gelehrten seiner Zeit. Zudem sei er ein großer Europäer gewesen, habe den Kontinent bereist und einige Zeit am englischen Königshof bei Heinrich VIII. verbracht. "Das verbindet uns mit ihm", sagte Seidl. "Auch unsere Schule hat einen europäischen Anspruch." Der Niederländer stand laut Seidl zudem in der Mitte der geistigen Auseinandersetzung seiner Zeit - der religiösen. "Im Gegensatz zu Luther ist er immer ein Intellektueller geblieben." Den Reformatoren sei er zu lauwarm gewesen, die katholische Kirche wiederum habe seine Bücher auf den Index gesetzt.

Seidl führte noch einen vierten Grund an, warum der Namenspatron gut zu der Schule passe: "Er war den modernen Techniken seiner Zeit aufgeschlossen." Damals sei es der Buchdruck gewesen, jetzt sei man im medialen Zeitalter. "Heute wäre Erasmus von Rotterdam ein Blogger im Internet", zeigte sich der Schulleiter überzeugt. Der Oberstudiendirektor erklärte auch, wie das Gymnasium im Jahre 1966 zu seinem Namenspatron gekommen war. Eigentlich sollte es nach Erasmus Grasser, dem Bildhauer aus Schmidmühlen, benannt werden. Doch diesen Namen trug laut Seidl bereits ein Gymnasium in München. Und so fiel schließlich die Wahl auf Erasmus von Rotterdam.

Und mit dem Bildnis, das Ludwig Haffner sen. gemalt hat, kehrt der große Gelehrte jetzt auch an "seine" Schule zurück.
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