Billig gekauft, nicht gestohlen

Zwei Sulzbacher Löwen zieren das Denkmal von Max I. Joseph. Die Amberger haben es anlässlich seines 25-jährigen Thronjubiläums 1824 errichtet. Sie sind aber nicht pünktlich fertiggeworden, wie Stadtheimatpflegerin Beate Wolters weiß - sondern erst drei Jahre später. "Das hat Max I. dann nicht mehr erlebt. Er ist 1825 gestorben." Bild: Hartl

Sie sind nicht gestohlen, wie es immer wieder einmal zu hören ist: Die Amberger haben die beiden Löwen vom Maxplatz den Sulzbachern ganz offiziell abgekauft. Fraglich ist dagegen eher, warum sie damit ausgerechnet dem Herrscher huldigen, der ihnen einst den Regierungssitz weggenommen hat.

Stadtheimatpflegerin Beate Wolters hat hinter dem zweiten Türchen des AZ-Adventskalenders den Maxplatz versteckt. Eine pompöse Grünanlage, rund um das Denkmal für Max I. Joseph. Der logiert hier auf einem hohen Sockel, mit wuchtigen Ketten vom restlichen Platz abgeteilt. Dazu gesellt sich ein Springbrunnen: "Da ist schon ganz schön investiert worden." Die beiden Löwen, die die Anlage einrahmen, waren dagegen echte Schnäppchen. Und haben trotzdem "immer wieder zum Streit mit Sulzbach geführt", wie die Heimatpflegerin augenzwinkernd anmerkt.

"Sie stammen tatsächlich aus Sulzbach." Dieser Teil der Legende stimme also. Einst zierten die prächtigen Figuren den Hofgarten der Nachbarstadt. "Der wurde aber aufgelöst und das Inventar verkauft", liefert Wolters auch den zweiten Teil dieser Geschichte: "Da hat Amberg zugeschlagen und die beiden Löwen gekauft" - angeblich für einen Gulden das Stück. Also zum Schnäppchenpreis.

"Die Löwen sind da gut aufgehoben", findet Wolters. Schließlich sei die Mutter von Max I. Joseph eine Sulzbacherin gewesen: Maria Franziska Dorothea von Pfalz-Sulzbach. "Wenn also auf dem Amberger Maxplatz die mütterlichen Löwen stehen, ist es schon richtig." Das Denkmal erinnert an das 25-jährige Thronjubiläum von Max I. Joseph. Als er 1799 den Thron bestieg, hieß er noch Max IV. Herzog von Bayern. Doch als Letzteres Königreich wurde, 1806, fing "die Zählung von vorne an", erklärt Wolters den Namenswechsel. "Ich persönlich verstehe es allerdings nicht, warum die Amberger ihm ein Denkmal gesetzt haben" - schließlich sei er maßgeblich daran beteiligt gewesen, dass sie den Hauptstadtsitz an Regensburg verloren haben. Max I. Joseph habe diesen Titel der Stadt an der Donau als Ausgleich für den Verlust des aufgelösten immerwährenden Reichstags zuerkannt.
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