Bis dato 103 tote Deutsche

Oberstabsfeldwebel Andreas Otterbein hat 827 Einsatztage im Ausland hinter sich. Beim Arbeitskreis Außen- und Sicherheitspolitik der CSU referierte der Kastler über seine Erfahrungen und verriet dabei viele Details.

Amberg. (gfr) Eines gleich vorweg: Oberstabsfeldwebel Andreas Otterbein hat alle 827 Einsatztage unbeschadet überstanden. Beim Arbeitskreis Außen- und Sicherheitspolitik (ASP) präsentierte der Kastler, der seit 1989 bei der Bundeswehr ist, wo er schon überall im Dienst war. Sein Soldatenleben war durchaus geprägt von Versetzungen in diverse Versorgungseinheiten, ohne die es Otterbein nicht zum höchsten Feldwebeldienstgrad gebracht hätte.

Auch in Afghanistan

Seit 1999 war der Truppenversorgungs-Sachbearbeiter mehrfach im Einsatz für KFOR (Kosovo), SFOR (Bosnien und Herzegowina) sowie ISAF (Afghanistan). Dabei habe er vieles gesehen, was er nicht unbedingt als schön empfunden habe. In Afghanistan leben gut 31 Millionen Menschen, davon 23 Prozent in Städten. Die ethnische Gruppe der Paschtunen hält mit 42 Prozent den größten Anteil, aber kleinere ethische Gruppierungen dürfe man nicht unterschätzen. Auffällig sei in Afghanistan das Durchschnittsalter mit 18,2 Jahren, 42,3 Prozent der Afghanen seien 15 Jahre und jünger, nur 2,4 Prozent seien älter als 64 Jahre.

Aufwendige Logistik

Aufgabe der Bundeswehr sei es gewesen, mit ursprünglich 4400 Soldaten die Entwicklung des Landes zu stabilisieren, aber aktuell seien nur noch 850 Bundeswehrangehörige in Afghanistan. Als die Truppe erstmals hinter den Hindukusch musste, mangelte es laut Andreas Otterbein an geeigneten und ausreichend geschützten Fahrzeugen, die Panzerung sei aufwendig nachgebessert worden. Bei Beendigung des Mandats hatte die Bundeswehr nicht ausreichend Transportkapazitäten, so seien 12 00 Fahrzeuge und 4000 Container mit angemieteten Transportflugzeugen ausgeflogen worden.

Vielfach sei auch eine Materialverschrottung vor Ort kostengünstiger gewesen, als eine Rückführung, denn die Bundeswehr hatte dafür keine Verwendung mehr. Sicherheitsrelevantes Gerät, etwa Computer, sei direkt nach Deutschland ausgeflogen worden, der überwiegende Teil des Wehrmaterials sei über einen eigens in der Türkei eingerichteten logistischen Umschlagplatz "Trabzon" auf dem Seeweg nach Deutschland verschifft worden. Otterbein bemängelte Schwierigkeiten bei der Ersatzteilbeschaffung, die von den Amerikanern flexibler gehandhabt würde, aber die würden auch "deutsche Bürokratie" nicht kennen.

Otterbein schilderte das Leben in Feldlagern wie Mazar-i-Scharif, kleinen Städten mit Krankenhaus, Einkaufszentrum oder Postamt. Ende 2014 sei der ISAF-Einsatz beendet worden, aber Deutschland beteiligte sich mit 850 Soldaten gemäß eines Bundestagsbeschlusses vom 18. Dezember 2014 an "Resolut Support", um die 350 000 afghanischen Sicherheitskräfte zu unterstützen.

Nicht verschweigen

Auch eine traurige Bilanz dürfe nicht verschwiegen werden, sagte Otterbein, denn bei allen Auslandseinsätzen mussten bisher 103 Bundeswehrangehörige ihr Leben lassen, gut die Hälfte in Afghanistan.
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