"Blut, Blut. Ich will Blut sehen!"

Es hätte eine sportliche Radtour werden sollen. Sie endete für den OTV-Moderator und Stadtrat Thomas Bärthlein (51) mit einem Hagel von Schlägen und Tritten. Der offenbar geistesgestörte Täter sitzt seit Donnerstag vor dem Amberger Schwurgericht. Warum er Bärthlein unvermittelt attackierte, sagt der 29-Jährige bisher nicht.

Er wartete auf ein Opfer. Als Thomas Bärthlein am 21. Mai letzten Jahres mit seinem Bike auf einer Staatsstraße zwischen Amberg und Sulzbach-Rosenberg unterwegs war, stürzte sich der 29-Jährige am Ortsausgang von Traßlberg auf den ihm völlig unbekannten Radfahrer und startete ein Stakkato brutalster Gewalt. Dabei rief er: "Blut, Blut. Ich will Blut sehen!" Der Fernsehjournalist wurde vom Rad geworfen, dann trat der gleich in der Nähe wohnende Täter wie von Sinnen zu, schlug mit Fäusten auf sein am Boden liegendes Opfer ein. "Wenn ich keinen Helm getragen hätte, säße ich heute nicht hier", sagte Thomas Bärthlein zum Prozessauftakt vor dem Amberger Schwurgericht. Die Strafkammer muss nun den Übergriff juristisch einordnen und zudem darüber entscheiden, ob der 29-Jährige dauerhaft in die Forensik kommt. Eine Unterbringung ist das Ziel der Staatsanwaltschaft.

Polizisten attackiert

Nach der Attacke, so berichtete ein Augenzeuge, entfernte sich der Täter, "als wie wenn nichts geschehen wäre". Zwischenzeitlich waren Passanten eingetroffen. Einige von ihnen nahmen die Verfolgung auf. Sie wurden wenige Minuten später ebenso körperlich angegriffen wie mehrere Polizisten. Erst unter Anwendung massiven Zwanges ließ sich der Mann bändigen. Beobachter schilderten ihre Eindrücke. Sie hatten vor und während der Attacke auf Bärthlein laute Rufe vernommen wie "Keiner respektiert mich" und, als Bärthlein auf seinem Rad nahte, "du kommst mir gerade recht."

Gutachter: "Unauffällig"

Was die Kammer hörte, ließ darauf schließen, dass da einer unterwegs war, der sich wahllos den Nächstbesten griff. Der 29-Jährige stand zu diesem Zeitpunkt bereits unter Betreuung. Doch eine Einweisung war wohl nie in Betracht gezogen worden. Sie wurde auch nach der Tat nicht sofort angeordnet. Dem Vernehmen nach soll seinerzeit ein Gutachter den Mann als "unauffällig" bezeichnet haben. Erst später kam er aus der U-Haft in die Psychiatrie.

Thomas Bärthlein, Journalist und Moderator beim Lokalsender OTV sowie CSU-Stadtrat, trug bei dem Angriff schwere Verletzungen davon: Rippenbrüche, eine Knochenabsplitterung an der Schulter, erhebliche Prellungen und Schürfwunden. "Wenn ich damals mal 15 Minuten schlafen konnte, war ich froh", sagte er den Richtern. Sein Peiniger, vertreten durch den Regensburger Anwalt Michael Haizmann, will keine Angaben machen. Der Prozess wird am kommenden Mittwoch fortgesetzt.
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