Boxen halten Klang der Oberpfalz fest
"Halten Sie den Kopf rein!"

Wer steckt da seinen Kopf in die Box? Für die Kiste mit der Aufschrift "Bräuche" interessiert sich natürlich der Sulzbach-Rosenberger Stadtheimatpfleger Dr. Markus Lommer. Bild: Huber

Die Stadtbibliothek ist ganz Ohr: Neun Klangboxen sind dort aufgestellt, die den "Sound der Oberpfalz" beinhalten. Wer wissen will, wie die Region klingt, muss nur die Augen schließen, zuhören und genießen.

Wie klingt die Oberpfalz? Ist es das Geläut des Regensburger Domes, das charakteristisch ist für die Geräuschkulisse dieses Landstrichs? Sind es die spitzen Klarinetten-Soli, die bei den Kirchweihen im Landkreis Amberg-Sulzbach ertönen oder das Dröhnen der Panzer auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr? 35 Studenten der Vergleichenden Kulturwissenschaft und der Medieninformatik der Universität Regensburg haben sich mit diesen Fragen beschäftigt und präsentieren noch bis Freitag, 10. Oktober, in der Stadtbibliothek ihre Antworten.

Die jungen Leute räumen vollständig auf mit den abgedroschenen Klischees, die die Oberpfälzer selbst lange gepflegt haben und die immer noch vor allem von überregionalen Medien gerne aufgegriffen werden. "Die Ausstellung ist der erste Versuch, eine ganze Region nur über ihren Klang darzustellen. Bisher geschah dies ausschließlich am Beispiel von Städten", erläutert Dr. Manuel Trummer, der das Projekt an der Universität Regensburg wissenschaftlich betreut. Wer das Läuten des "Big Ben" hört, der habe sofort London vor Augen. Doch wie klingt eine ganze Region, wie klingt die Oberpfalz?

Zuerst ein Rückschlag

Die Studenten gingen mit jugendlichem Elan an die Fragestellung heran und versuchten sich erst einmal in "auditiver Feldforschung". Das heißt: Sie sind ausgeschwärmt mit Mikrofonen und haben alles mögliche an in Frage kommenden Geräuschen aufgenommen. "Das war ein Schlag ins Wasser", gab der aus Vilseck stammende Trummer bei der Ausstellungseröffnung zu. "So kamen wir nicht weiter. Deswegen haben wir uns auf neun Themenfelder konzentriert, in denen sich die Alltagskultur der Oberpfalz abbildet: Sprache, Grenzen, Ernährung, Arbeiten, Freizeit, Wohnen und Familie, Bräuche, Musik sowie Natur". Fortan suchten die Studenten gezielt in diesen Bereichen und wurden dann auch fündig.

Unter anderem auf einer Kirchweih in der Gemeinde Kümmersbruck. Die "Gurzerer" der Kirwaburschen aus Lengenfeld haben es ebenso in die Ausstellung geschafft, wie das Gemurmel der Gäste auf dem Sulzbach-Rosenberger Annabergfest. Tradition aber ist nicht alles, was die Oberpfalz ausmacht, und so gibt die Ausstellung zum Beispiel auch Tonfragmente von der Sandboardmeisterschaft am Monte Kaolino in Hirschau wider. Die Klangbox zum Thema Freizeit trägt passenderweise den Untertitel: "Vom Eisengau zum Vergnügungspark".

Jungdesigner am Werk

Die architektonische Umsetzung und Inszenierung dieser Klänge übernahmen Studenten der bezirkseigenen Fachakademie für Raum- und Objektdesign in Cham. Sie schufen die hölzernen Klangboxen, in die die Gäste quasi hineinkriechen sollen. "Halten Sie den Kopf rein!", ermunterte Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl die Premierenbesucher. Die mannshohen Holzkisten sind im Design bewusst reduziert zugunsten der Klänge. Ergänzt werden die Boxen von multimedialen Elementen wie Texttafeln, Spielen, Fotografien und einem Film.

Amberg ist bereits die elfte Station der Ausstellung. Bisher sei die akustische Erlebnisreise ein voller Erfolg gewesen, weil sie die Menschen überrasche und ihnen den Spiegel vorhalte, sagte Bezirkstagsvizepräsident Lothar Höher. Er freute sich über diese innovative Art der Heimatpflege. Besonders bemerkenswert sei für ihn aber die Zusammenarbeit der Ausstellungsmacher, die aus allen Teilen der Oberpfalz stammen und vielleicht dazu beitragen, ein neues Gemeinschaftsgefühl zu schaffen.
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