Bundesrichter wollen Neuauflage im Prozess um Elektronik-Hehlerei - 51-Jähriger erneut auf der ...
Kommando zurück: Karlsruhe ordnet Fleißaufgabe an

Es geht um Fernseher, Laptops und andere elektronische Geräte. Sie wurden bei einem Versandhaus in Wernberg-Köblitz gestohlen und dann zu Dumpingpreisen an einen großen Kundenkreis verhökert. Fünf Angeklagte waren heuer vom Landgericht Amberg abgeurteilt worden, einer von ihnen sitzt jetzt erneut auf der Anklagebank.

Es geschieht eher selten, dass der Bundesgerichtshof in Karlsruhe ein Urteil aufhebt und die erneute Verhandlung anordnet. Im Falle eines 51-Jährigen aus dem westlichen Kreis Neustadt/WN taten es die Bundesrichter, weil sie in ihrer rechtlichen Bewertung des gesamten Tatkomplexes zu einer anderen Auffassung gelangten als das Amberger Landgericht. Also muss nun der Prozess gegen den Mann ein zweites Mal geführt werden. "Wir beginnen von vorn", unterstrich der Kammervorsitzende Dr. Stefan Täschner zum Verhandlungsauftakt in Amberg.

39 Fälle stehen im Raum

Worum geht es? Über einen langen Zeitraum hinweg wurden von einem Bediensteten des Versandhauses Pakete an ihm bekannte Adressaten verschickt, in denen sich wertvolle Ware befand. Ein Trick, der erst viel später auffiel. Bis dahin war Schaden in nahezu sechsstelliger Höhe entstanden. Denn in den Sendungen befanden sich statt angeblich bestellter Kabelschächte wertvolle TV-Geräte, Laptops, mitunter auch Digitalkameras und -recorder.

Wegen banden- und gewerbsmäßig begangener Hehlerei hatte der jetzt zum zweiten Mal auf der Anklagebank sitzende Mann in erster Instanz drei Jahre Haft erhalten. Unstrittig ist jetzt in der Neuauflage des Verfahrens: Er hatte neuwertige Geräte aus dem Versandhaus in seinem Umfeld verhökert und dafür Summen erhalten, die in nahezu allen Fällen unter der Hälfte des eigentlichen Verkaufspreises lagen. TV-Geräte, die eigentlich 1200 Euro kosteten, wechselten oft für 400 Euro den Besitzer. Gewiss ist auch: Der 51-Jährige erhielt seine Ware von einem Versandhaus-Bediensteten, der nicht selten sogar Listen bereit hielt, nach denen "bestellt" werden konnte. In 39 Fällen soll der mutmaßliche Hehler dann tätig geworden sein.

Welchen Profit erzielte der Mann? Er will, so erzählte er jetzt dem Kammervorsitzenden Täschner, manchmal 50 Euro "draufgeschlagen" haben. Mitunter auch nur 30 Euro. Oft sei er auch ohne Verdienst aus dem Geschäft gegangen. Deutlich wurde bei seiner Vernehmung: Das Interesse an billigen Geräten, die angeblich keinen Hinweis auf das Versandhaus trugen, war ungeahnt groß und wurde immer größer.

"Auspacken" empfohlen

Richter Dr. Stefan Täschner ist für klare Worte bekannt. Er ließ den 51-Jährigen ausreden und sagte ihm dann: "Sie wollen hier alles klein halten. Aber Sie sollten auspacken." Nach einem Gespräch mit seinem Anwalt Dr. Georg Karl (Regensburg) räumte der Angeklagte ein, mit bedingtem Vorsatz gehandelt zu haben. Unklar blieb allerdings auch danach, ob er wusste, wo die Geräte herstammten. Das freilich liegt nahe. Denn ihm war bekannt, dass sein "Lieferant" in dem Versandhaus an einer Stelle arbeitete, die es ihm problemlos ermöglichte, statt billiger Gegenstände hochwertige Elektronik versandfertig zu machen. Gibt es sechs Prozesstage wie ursprünglich angesetzt oder doch nur zwei? Es könnte durchaus sein, dass das Verfahren bereits am Dienstag mit einem Urteil der vierten Strafkammer endet. (Seite 3)
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