Bus fährt auf Siemens ab

Die täglich rollende Bus-Armada - jetzt sollen Betriebe und Arbeitnehmer verstärkt animiert werden, den Öffentlichen Personennahverkehr mehr zu nutzen, als dies bisher der Fall ist. Bild: Hartl

Schüler sind bei der Fahrplangestaltung im Öffentlichen Personennahverkehr seit jeher ein fester Bestandteil der Kalkulation. Künftig soll Beschäftigten großer Unternehmen das Busfahren schmackhafter gemacht werden. Vier direkte Anbindungen sind bereits genehmigt.

Die Planungen, Siemens quasi als eine Art Start- oder Pilotprojekt direkt an den ÖPNV anzubinden, nahm der Zweckverband Nahverkehr Amberg-Sulzbach (ZNAS) im vergangenen Jahr auf. In der jüngsten Verbandssitzung gaben die Räte dafür "grünes Licht".

Der frühere Siemens-Werksverkehr wurde Ende der 1990er Jahre in den ÖPNV integriert. Doch bald ergab sich, dass die Buslinien von Mitarbeitern kaum genutzt wurden. Vorfahrt haben in vielen Fällen das Auto und der Individualverkehr. Aus einer Umfrage im Werk wurde ersichtlich, dass das bisher erforderliche Umsteigen am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) in Amberg als größte Bremse betrachtet wird.

Als weiteres Manko gaben die Befragten an, das Angebot aus dem Umland sei eher lückenhaft, und wer vor 7 Uhr zu arbeiten beginne, für den gebe es keine Möglichkeiten, den Bus zu nutzen. Die Konsequenz daraus: zusätzliche Direktanbindungen für das Personal des größten Arbeitgebers in der Stadt. "Wir sind mit verschiedenen anderen Firmen auch schon im Gespräch", versicherte ZNAS-Geschäftsstellenleiter Hans-Jürgen Haas, als aus dem Gremium gefragt wurde, wie es denn mit Grammer aussehe.

Auch die Handelsunternehmen an der Fugger- und Welserstraße würden in solche Überlegungen mit einbezogen. Schließlich könne es für die dort Beschäftigten durchaus lukrativ sein, den ÖPNV zu benutzen, statt mit dem eigenen Pkw Parkplätze zu blockieren. "Unternehmen sollten bei ihren Mitarbeitern dafür werben", meinte dazu Oberbürgermeister und ZNAS-Verbandsrat Michael Cerny. Ein besonderer Anreiz könne es beispielsweise sein, so ergänzte Hans-Jürgen Haas, wenn sich Firmen für ihre Belegschaften beim Kauf eines Umwelt-Tickets an den Kosten beteiligen würden.

Bedenken, dass in verschiedenen Einzelfällen nicht zu vermeidende Umsteigezeiten am ZOB zu kurz bemessen seien, zerstreute Haas mit dem Hinweis, man habe die Anschlusssicherung schon im Auge. In dieser Richtung werde auch mit den beteiligten Busunternehmen gesprochen - will heißen, wenn es vertretbar erscheint, könnte ein Bus durchaus bis zum Eintreffen der Zubringerlinie ausharren.

Bei so viel Positivem und vor dem Hintergrund der neuen Direktanbindung von Kümmersbruck an Siemens - und weiter an den RBO-Anschluss nach Immenstetten und Weiden -, an alle Citybusse sowie an die Bahnkunden nach Regensburg und Nürnberg scherzte Verbandsrat und OB Michael Cerny: "Ich gehe davon aus, dass halb Kümmersbruck künftig in dem Bus sitzen wird." (Angemerkt, Hintergrund, Im Blickpunkt)
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