Cerny führt Stadtwache an

Ein schwarzer Umhang mit goldfarbenen Streifen kennzeichnet den neuen Obristen der Stadtwache, Oberbürgermeister Michael Cerny. Bild: wsb

Seit fast einem Dreivierteljahr ist Oberbürgermeister Michael Cerny in Amt und Würden. Allerdings fehlte dem Stadtoberhaupt noch ein wichtiger Titel - bis Donnerstagabend.

Ein Dolch, ein Umhang und eine Medaille sind die Erkennungszeichen des neuen Obristen der Stadtwache. Am Donnerstagabend stattete Hauptmann Walter Hellmich den Oberbürgermeister mit den Insignien des Anführers aus. Der Festakt war filmreif: Die Stadtwache war mit historischen Kostümen, Lanzen und Degen angetreten. Die Stadtpfeifer spielten. Fackeln erhellten die gekalkten Wände im Innenhof des Wingershofer Tores und von oben herab nieselte es leicht.

Schecks als Pflasterzoll

Nicht nur Michael Cerny stand im Mittelpunkt, sondern auch sein Vorgänger Wolfgang Dandorfer. "Glauben Sie mir, dass ich mit Sicherheit Putin und Obama leichter zu einem gemeinsamen Treffen bewegen könnte, als unsere von Terminen und Stress geplagten zwei Oberbürgermeister", sagte Hellmich. Nachdem Dandorfer sein Obristen-Amt abgegeben hatte, ernannte ihn der Hauptmann umgehend zum Ehren-Obristen. In seiner Amtszeit sei er der Stadtwache eine "beständige Hilfe" gewesen, habe er dafür Sorge getragen, das Geschichtsbewusstsein der Stadt zu fördern. "Die Ehrenmitgliedschaft besagt aber nicht, dass Du bei Deinen künftigen Besuchen generell zechfrei bist", erklärte Hellmich. "Zumindest aber erspart es Dir das Mitbringen von Schecks, wofür in Zukunft hoffentlich jemand anderer zuständig sein dürfte." Damit war der Bogen zu Michael Cerny, dem neuen Anführer, geschlagen. Der Rathauschef habe von Anfang an keinen Zweifel daran gelassen, die Stadtwache zu unterstützen. Es gehe ja nicht nur darum, die Stadt bei Umzügen zu vertreten. Hellmich erinnerte daran, dass die Mitglieder seit 14 Jahren das Wingershofer Tor renovieren. Der vorläufige Schlusspunkt der Sanierung sei mit der Eröffnung des Torloches erreicht. Letzteres ist eine Gefängniszelle, in der Übeltäter eingesperrt wurden, die die Wache dingfest gemacht hat.

Ins Loch gesperrt

Wie es sich so anfühlt, in diesem Loch eingekerkert zu sein, durften die beiden Obristen gleich mal ausprobieren. Hauptmann Hellmich ließ Dandorfer und Cerny festnehmen und hinter Gitter bringen, "den einen für seine Schandtaten während seiner langen Amtszeit und den anderen, um ihm vorweg zu zeigen, welches Los ihn erwartet, sollte er nicht rechtschaffen seinen Pflichten nachkommen". Die Inhaftierten nahmen ihren Fünf-Minuten-Aufenthalt im Torloch natürlich mit Humor. Cerny bezeichnete die Gründung der historischen Gruppe vor fast 20 Jahren als "herausragende Idee". Nächstes Jahr will die Stadtwache ihren runden Geburtstag groß feiern.
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