Chanson-Kabarett "Die Männer sind schon die Liebe wert" - Oder vielleicht nicht
Typologie der Ernüchterung

Auf den Mund gefallen ist die Chansonnette Alexandra Völkle jedenfalls nicht. Weder stimmlich, noch textlich. Bild: kge
Strychnin geht immer. Auch andere nicht ernstgemeinte, aber anerkanntermaßen wirksame Ratschläge, um unliebsame Beziehungen zu beenden, gab Alexandra Völkl dem Publikum im voll besetzten Paulanergemeinde-Haus. Dieser Abend des evangelischen Bildungswerkes mit dem Titel "Die Männer sind schon die Liebe wert!" wurde von der gebürtigen Ambergerin zusammen mit dem Jazzpianisten Uwe Budde Thiem als Chanson-Kabarett gestaltet.

Passend zum Genre trat die Künstlerin in einem leuchtend roten steifen Petticoat-Kleid auf und unterstrich ihre Bühnenpräsenz mit einer durchdringenden Mimik. Als ausgebildete Schauspielerin gelang ihr auch das ohne Probleme. "Wir müssen die Männer so nehmen, wie sie sind. Wir dürfen sie nur nicht so lassen." Das ist die Lebenserkenntnis, die diesen Auftritt antreibt. Ob Frau nun "ein Weichei zum Frühstück" zu Hause sitzen hat der einen "Badehaubenduscher im Bad". Aber: "Ansonsten ist der Typ wunderbar, also lass ihn da", rät die Chansonnette. Ihre Vermutung, dass der Neanderthaler nur deshalb ausgestorben sei, weil seine Frau über ihre Beziehung reden wollte, bis er die Höhle verließ, um auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden, das konnte Völkl nun doch nicht einwandfrei wissenschaftlich klären.

Wo sind die Nörgler?

Keine These ohne akademische Leitplanke. So kann etwa die Archetypenlehre helfen, Trennungen zu vermeiden. Die nötige Integration der Partner könne ja nach dem Hackordnungs-Prinzip in der Familie geregelt werden. Doch nach ihrer Ansage, dass es in Amberg keine Nörgler gebe - das Publikum wollte das nicht unbedingt bestätigten -, stimmte die Chansonnette ausgerechnet eine frauentypische Nörgel-Arie an. Mozarts kleine Nachtmusik stand kompositorisch Pate. Denn "meine persönliche kleine Nachtmusik ist sein Schnarchen". Und auch im Einkaufsverhalten gibt es geschlechtsspezifische und genetisch programmierte Unterschiede. So hält er gerne beim Shoppen Händchen. Ganz einfach, um sie von möglichen Konsumorgien fernzuhalten. Er wiederum blüht aber erst im Baumarkt so richtig auf. Und schon gab es noch die Frage zu klären, warum ein Mann zwar problemlos eine ganze Ikea-Schrankwand aufbauen kann, aber mit dem Einräumen des Geschirrspülers überfordert ist.

Das Publikum bekam an diesem Abend viel zu lachen und nach langanhaltendem Applaus auch zwei Zugaben. Die Sängerin und der Pianist harmonierten sehr gut als Bühnenduo, wenn auch manchmal seine Leidenschaft ihn so kräftig in die Tasten greifen ließ, dass sie Mühe hatte, sich stimmlich durchzusetzen. Aber das war keine Beziehungsfrage, sondern ein eher technisches Problem. Also reine Männersache?
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