Chefarzt Megele: "Mit dem Wissen um den Tumor muss man erstmal umgehen"
Damit leben oder operieren?

Die Diagnostik wird immer besser. Das ist natürlich ein großer Segen - es kann in manchen Fällen aber auch zum Fluch werden.

Bei welchen Untersuchungen können Zufallsbefunde entdeckt werden? Was für Befunde sind das? Sollten sich Betroffene operieren lassen oder besser abwarten? Diese und viele andere Fragen hatten die Besucher des zweiten Vortrages beim Gesundheitsforum im Rathaussaal.

Referent war diesmal Priv.-Doz. Dr. Richard Megele, Chefarzt der Klinik für Neurochirurgie am Klinikum St. Marien. Er sprach über das Thema "Zufallsbefunde im Kopf - wann kontrollieren, konservativ behandeln oder operieren?"

"Die Diagnostik wird immer besser, immer genauere Untersuchungen werden dadurch möglich. Das ist natürlich ein großer Segen - es kann in manchen Fällen aber auch zum Fluch werden", so der Neurochirurg. "Nämlich dann, wenn man weiß, dass man beispielsweise einen gutartigen Tumor im Kopf hat, der sehr klein ist und bis zu der Untersuchung eigentlich keine Probleme gemacht hat. Mit dem Wissen um den Tumor muss man erstmal umgehen. Das ist nicht so einfach." Solche Zufallsbefunde gibt es immer wieder - bei Abklärungs-Untersuchungen von Parkinson oder Multipler Sklerose zum Beispiel. Zufallsbefunde können gutartige Tumore der Hirnanhangsdrüse oder der harten Hirnhaut sein. "Wenn solche Tumore klein sind und keine Symptome verursachen, empfiehlt man heutzutage, den Tumor genau zu beobachten. Früher war man schneller am Skalpell, jetzt überwacht man solche Tumoren. Eine jährliche Kontrolle ist vernünftig - das entspannt den Patienten und den betreuenden Arzt", sagte Megele.

Aneurysmen machen Angst

Muss ein Tumor doch entfernt werden, weil er zu groß oder bösartig ist, operieren an vielen Kliniken Neurochirurgen mit einer sogenannten Neuronavigation. "Man sieht dabei an einem Monitor immer genau, wo man ist. Das macht das Operieren noch sicherer", erläuterte der Experte. "Diese technische Ausstattung haben wir am Klinikum St. Marien. Außerdem haben meine Kollegen und ich sehr viel Erfahrung in der Hirnchirurgie. Das spielt bei solchen Eingriffen auch eine große Rolle."

Ein Zufallsbefund, der vielen Menschen extrem Angst macht, sind Aneurysmen. Dabei handelt es sich um gefährliche Aussackungen der Blutgefäße im Gehirn. "Sie können zwei bis drei Millimeter groß sein, sie können aber auch bis zu 2,5 Zentimeter groß werden", erklärte Megele. Je größer sie werden, desto größer sei die Gefahr, dass sie platzen. Wenn das passiert, wird es für den Patienten lebensgefährlich. Deshalb sollten Aneurysmen regelmäßig auf ihr Wachstum und ihre Größe hin kontrolliert werden. Werden sie zu groß oder wachsen sie plötzlich sehr schnell, sollte über eine Operation nachgedacht werden. "Bei dieser Operation wird die Aussackung vom Gefäß abgeklemmt oder ein Neuroradiologe befüllt sie und verschließt sie, damit kein Blut mehr eindringen kann. Das nennt man Coiling."

Die Angst nehmen

Ob gut- oder bösartig, egal um welchen Befund es sich handelt, sie alle beunruhigen und verunsichern die Betroffenen. In solchen Fällen sei es das Wichtigste, den Patienten aufzuklären, ihm die Angst zu nehmen und ehrlich über alle Behandlungsmöglichkeiten und Risiken zu beraten. "Das Wichtigste ist, immer individuelle Entscheidungen zu treffen, gemeinsam abgesprochen mit dem Patienten. Wir versuchen immer, auf die Lebensqualität jedes Patienten Rücksicht zu nehmen, sie soll so wenig wie möglich eingeschränkt werden", betonte Megele.

Nächste Woche spricht Prof. Dr. Volkher Engelbrecht beim Gesundheitsforum. Der Chefarzt des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Klinikum informiert am Dienstag, 10. Februar, ab 19.30 Uhr über Durchblutungsstörungen und Gefäßverengungen und darüber, wie diese Erkrankungen behandelt werden können.
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