Da ist noch Luft nach oben

Johanna Foitzik hat im Luftmuseum den "Pneuthron" (Wilhelm Koch, 2004) erklommen. Bild: Steinbacher

Sie wollte wohl nie ins Kloster, jetzt ist sie aber so etwas wie die Äbtissin des Klösterls. Johanna Foitzik hat die Arbeit im Luftmuseum aufgenommen.

(zm) Plötzlich ging alles ganz schnell. Das macht das kurze Stadtrats-Hick-Hack um die Volontärsstelle vergessen. Das Thema taugte nicht für anhaltenden lokalpolitischen Knatsch im Luftkunstort Amberg. Dafür ist Wilhelm Kochs repräsentative, Genre-Grenzen überschreitende Plattform für Themen-Kunst rund um das Element Luft bereits viel zu renommiert.

"Eine neue Qualität" in der Arbeit des Museums ist für ihn mit dieser ersten Vollzeitstelle in dem Haus erreicht. "Ich habe mich einfach riesig gefreut", sagt Johanna Foitzik zu ihrem Berufseinstieg. Das stimmt nicht ganz. Denn die 26-jährige Kümmersbruckerin hat bereits eine abgeschlossene Ausbildung. Sie ist Buchhändlerin. Danach gingen ihr journalistische Gedankenspiele durch den Kopf. Es folgten ein Praktikum bei der AZ und ein Studium der Kommunikationswissenschaften an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Das mit dem Journalismus hat sich die jetzige Museums-Volontärin noch während ihrer Uni-Zeit anders überlegt. Jetzt ist es der Kunst- und Kulturbetrieb geworden.

Alles, querbeet

Das ist genau nach dem Geschmack von Wilhelm Koch. "Wir brauchen nicht unbedingt Kunstgeschichtler oder Kunstwissenschaftler", hebt er darauf ab, dass das Luftmuseum nie und nimmer ein repräsentativer Raum zur Konservierung eines bildungsbürgerlichen Kunstbegriffes sein soll. Quereinsteiger sind für ihn im Klösterl genau richtig, weil Arbeit genug da sei. Welche? Alles, querbeet. Nun ist den ganzen Tag über und nicht nur zu den Öffnungszeiten jemand im Haus. Es gibt Korrespondenzen zu erledigen, Kontakte zu pflegen, die Szene zu beackern, Ausstellungen, Vorträge vorzubereiten. All das haben bisher die Mentoren und Förderer des Hauses über den Trägerverein um dessen Vorsitzenden und Museumsleiter Wilhelm Koch geleistet. Diese Arbeit wird nun professionalisiert. Völlig vernachlässigt worden sei beispielsweise die Archivierung rund um das Luftmuseum und dessen künstlerische Ausrichtung, fällt Koch gleich auch noch ein. "Da fangen wir bei null an", tut sich für Johanna Foitzik ein weiteres Betätigungsfeld auf.

Gar nicht stylisch

Wenige Tage arbeitet sie nun umgeben von - nach gängigem Verständnis - teilweise reichlich skurriler Kunst auf über 600 Quadratmetern. Das Büro im zweiten Obergeschoss sieht noch mehr nach einer Rumpelkammer statt gestyltem Kulturmanagement aus, dafür aber nach Arbeit. Davon ist genug da. Im nächsten Jahr wird das Museum zehn Jahre alt.

Als es eröffnet wurde, ging die heutige Volontärin des Hauses noch ins Gymnasium und das neue Museum in der Stadt an der damaligen Jugendlichen spurlos vorbei. Das räumt Johanna Foitzik freimütig ein. Als sich das Luftmuseum dann den Weg in ihr Bewusstsein gebahnt hatte, habe sie sich gedacht: "Das ist ja cool, endlich ein Museum, in das man auch gehen kann." Jetzt wird sie es täglich tun.

Schwebezustände

Beispielsweise, um an einer Sonderausstellung zum Zehnjährigen zu arbeiten. Der Kurator steht schon fest, das Thema ebenso. Der Design- und Architekturkritiker Volker Fischer (Frankfurt/Main) wird sich dem Schweben zuwenden. "Man glaubt gar nicht, was alles schwebt", stößt Koch erste Assoziationen in Richtung Heilige oder Hochgeschwindigkeits-Magnetbahn an. Das klingt spannend. Auch für Johanna Foitzik. Denn Fischer hat für die nächsten Tage seinen Besuch angekündigt und die neue Volontärin schwebt auch ein bisschen - auf der Freude über den gelungenen Berufseinstieg.
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