Da jubelt sogar das Elysium

Drei Elemente für Marimba und Orchester präsentierte das MRG-Orchester unter der Stabführung von Maria Anna Feldmeier-Zeidler. Bilder: Steinbacher (4)

Vorspielabende von Schulen können ganz schön langweilig und anstrengend sein. Das Max-Reger-Gymnasium hält mit viel Qualität dagegen.

Wenn es stimmt, dass Schule mehr sein soll als eine Institution zur Vermittlung von Wissen und Kompetenzen, dann wurde diese gesellschaftspolitische Forderung bei den beiden Frühjahrskonzerten des Max-Reger-Gymnasiums mit Nachdruck unter Beweis gestellt. Was die Schüler an Musikalität und damit ja auch immer Persönlichkeit präsentierten, riss das zahlreich erschienene Publikum mit.

Ansteckend begeistern konnten die "kleinen" Sänger des Unterstufenchors unter der Leitung von Wolfgang Herrneder im Festsaal des Gymnasiums. Vier Sätze aus dem Musical "The Little Mermaid" von Alan Menken ließen schon das Potenzial erkennen, das in den jungen Talenten steckt. Eine Preziose der besonderen Art brachte das Trio Martin Lyko (Altblockflöte, 10d), Konstanze Frauendorfer (Violine, 8c) und Adela Solarova (Cembalo, 10d) zu Gehör. Die ganz eigentümliche, intime Schlichtheit der Trio-Sonate op. 1 Nr. 1 von Jean-Baptiste Loeillet wussten die Schüler zauberhaft zu etablieren.

Mit viel Charme

Ganz anders in Atmosphäre und Gestalt traten die beiden Flötistinnen Annette Knab (10b) und Susanne Hiltl (7c) sowie der Cellist Daniel Galperin (10c) auf die Bühne. Im 1. Satz aus Haydns Trio in C-Dur Hob. IV:1 überzeugten die Schüler durch eine klug durchdachte Abstimmung und viel musikalischen Charme. Charmant wie gewohnt der Auftritt der "Schulstreicher", des Vororchesters des MRG: "Take It From Here" aus "Jazzin' about Suite" von Pamela Wedgwood geriet unter der Leitung von Ulrike Straub zu einem fetzig-stimmungsvollen Auftritt.

Sein mehr als vielversprechendes Talent demonstrierte der Cellist Daniel Galperin (10c). Seine Interpretation des Allegro aus dem Cello-Konzert a-Moll op. 14 Nr. 2 von Karl Dawidow konnte die aufwühlende Spannung von Virtuosität und tiefgründigem Melos exzellent konturieren. Dass das MRG nicht nur klassisch im engeren Sinne kann, zeigte das Vokalensemble der Oberstufe mit einem intelligenten Arrangement von John Ottmanns "Hide and Seek".

Im Stadttheater eröffnete das MRG-Orchester unter Maria Anna Feldmeier-Zeidler einen Konzertabend, der mit einem Schulkonzert nichts mehr gemeinsam hatte. Extravagant und experimentell präsentierte sich der große Klangkörper: Mit einem Werk für Marimba und Orchester von Eckhard Kopetzki sowie einem Konzert Alphorn und Orchester von Rainer Bartesch machte das Orchester das breite musikalische Spektrum seines Könnens deutlich.

Ein Beitrag, der das Publikum in bewundernswertem Staunen zurückließ, war die Interpretation der sieben Variationen op. 33 von Carl Maria von Weber durch den Klarinettisten Jakob Galperin (Q11). Weit über dem Niveau, das von Schülern erwartet werden kann, zeigte dieser fulminante Auftritt das herausragende Talent des Oberstufenschülers. Mit Franz Liszts "Valse caprice d'après Franz Schubert" konnte die Pianistin Kathrin Raab (Q12) einen Ausschnitt ihres Könnens vorstellen. Anne-Sophie Saffert entführte das Publikum mit Johan Svendsens Romanze in G-Dur op. 26 in eine lyrische Stimmung. Ihr gelang es, die melancholische Spannkraft herauszuarbeiten und so ein elysisches Klanggemälde zu zeichnen.

Swing wirkt sehr direkt

Die Sopranistin Lisa-Marie Holzschuh (Q12) bot mit Antonin Dvoraks "Lied an den Mond" ein Dokument ihres Könnens: Hervorragende Technik und eine warme, unaufdringliche Gesangsstimme verzauberten das Publikum. Unter der Leitung von Thomas Prechtl bewegte das Blechbläser-Ensemble auch ganz physisch seine Zuhörer. Spätestens beim "Sensation Rag" konnte sich keiner mehr zurückhalten: Swingender Bläsersound, mit viel Lebensfreude und jugendlicher Verve gewürzt, verfehlt seine Wirkung nicht.

Das grandiose Schlussstatement setzte der gemischte Chor unter der Leitung von Michaela Treese. Bei Carsten Gerlitz' spritzigem Arrangement von Pharrell Williams "Happy" zeigte der Chor sein Können. Wahrhaft genial war die Interpretation der "Bohemian Rhapsody" der legendären Rockgruppe Queen. Was der Chor hier zusammen mit der Schulband des MRG zeigte, ist Chormusik, wie man sie an Schulen im Normalfall wohl vergebens suchen muss.
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