Dank Handwerk gut behütet

Markus Fehringer stellte die Brettchen-Webtechnik vor, eine Jahrhunderte alte Tradition.

Ein Diamant-Sägeblatt, das 2000 Euro kostet und ungefähr einen Monat hält, ein Hut, der in Form gebügelt werden muss, und eine Tinte, mit der Staatsverträge unterzeichnet werden. Der Tag des offenen Denkmals bot gestern viele Einblicke in alte Traditionen - und die Vertreter ihrer Zunft legten fleißig Hand an.

Bereits am Vormittag sahen sich die ersten Interessierten auf dem Betriebsgelände von Clausner & Rauch in der Fuggerstraße um und ließen sich die Arbeit des Steinmetzes, einer der ältesten handwerklichen Berufe überhaupt, vorführen.

Geschäftsführer Bernhard Rauch warf eine Maschine an, mit der die Steine geschnitten werden. Während sich das Sägeblatt durch den Granitstein fraß, wurde es ziemlich nass. Aus gutem Grund: Durch das Wasser nutzt sich das Diamant-Sägeblatt nicht so schnell ab. Denn dieses ist eine teure Angelegenheit: ein kleines kostet 800, ein größeres 2000 Euro. "Ungefähr einen Monat hält es", informierte der Chef. An einem Tisch in der Werkstatt hatte er verschiedene Werkzeuge (Spreng-, Spitz- und Scharriereisen) ausgebreitet, mit denen er arbeitet.

Im Foyer des Stadtmuseums baute Antonia Fuchs am Nachmittag ein kleines Atelier auf. Die Modistin, die mit ihrer Mutter Eleonore das Geschäft Baier-Hüte in der Unteren Nabburger Straße führt, hatte Formköpfe mitgebracht. Darüber stülpte sie das Parasisol-Stroh, griff zum Lappen, tauchte ihn ins Wasser, wrang ihn leicht aus, legte ihn auf den Stoff und bügelte drüber. "Der Hut wird buchstäblich mit Hitze über die Form gezogen." Die Modistin verriet, dass sie selbst ein Faible für die Kombination schwarz-weiß habe und Federn als Garnierung liebe. Und sie räumte mit einem Vorurteil auf: "Es gibt niemanden, dem kein Hut steht. Aber nicht jedem steht jeder Hut."

Alte Handwerkskunst auf drei Etagen bekamen die Besucher auch im Vilstor zu sehen. Der Verein Cantus Ferrum führte vor, wie einst im Mittelalter gearbeitet wurde. In Brettchen-Webtechnik stellte Markus Fehringer einen Gürtel her, während sich Claudia Fehringer mit Nadelbinden ("Dem Vorläufer des Strickens") befasste und aus reiner Schafswolle einen Beinling anfertigte. Im Erdgeschoss sahen Kinder fasziniert zu, wie Tinte hergestellt wird: aus Farbpigmenten, Gummi arabicum als Bindemittel und Wasser oder Wein als Lösungsmittel. Eines gilt heute noch: Tinte, mit der Staatsverträge unterschrieben werden, muss dokumentenecht sein, wie zum Beispiel die Eisengallustinte. (Angemerkt)
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