Darf die Stadt Amberg ein Festspiel zu Ehren eines solchen Verlierers der Weltgeschichte ...
Der Versager behält sein Festival

Da gibt der Winterkönig-Darsteller Andy Kuntz den amourösen Schwerenöter. Auch in fünf Jahren soll es das Stück "Der Herbst des Winterkönigs" auf dem Mariahilfberg geben. Auch wenn das im Kulturausschuss nicht ohne Widerspruch abging. Bild: Steinbacher

Nur ein Jahr lang war Friedrich I. König von Böhmen, 30 Jahre dauerte dann der Krieg, den er mitzuverantworten hat. Darf die Stadt Amberg ein Festspiel zu Ehren eines solchen Verlierers der Weltgeschichte veranstalten?

Der Kulturausschuss hatte am Mittwoch das zweifelhafte Vergnügen, sich genau mit dieser Frage auseinandersetzen zu müssen. Eigentlich hatte der Tagesordnungspunkt nicht danach ausgesehen. Es sollte ein kurzes - sehr positives - Resümee gezogen werden der 13 Aufführungen von "Der Herbst des Winterkönigs" in diesem Sommer vor der wunderschönen Kulisse der Bergkirche. Danach stand der Beschluss an, dieses Festival künftig alle fünf Jahre zu veranstalten und Amberg damit einen festen Platz im Festspielkalender zu sichern.

Doch Hannelore Zapf, Stadträtin der SPD, Stadtführerin und streitbarer Geist, wollte nicht euphorisch sein, sie lobte zwar das Ambiente, den Fleiß aller Akteure und Mitarbeiter sowie das Drumherum - das Stück selber aber fand sie äußerst unpassend. "Friedrich hat aus Naivität und Gutgläubigkeit das 30-jährige Gemetzel ausgelöst", gab Hannelore Zapf zu bedenken. "Damit habe ich ein großes Problem." Sie sehe es schlicht nicht ein, diesem Mann so viel Ehre zuteil werden zu lassen, wie es durch das Schauspiel auf dem Mariahilfberg geschehe.

"Außerdem frage ich mich, was dieser Mensch mit Amberg zu tun hat?", setzte Hannelore Zapf noch eins drauf. Ob er hier geboren ist, sei eher fraglich, fest stehe allein die Taufe in St. Martin. Der sagenhafte Ritt mit dem "Turbo-Pferd" von Heidelberg nach Amberg im Vorfeld seiner Königswerdung gehöre hingegen wohl eher in das Reich der Legenden. "Das ist ein Thema, das Amberg nicht ein so tolles Image bringt." Ihr Vorschlag: Die Stadt sollte stattdessen lieber eine große Amberger Hochzeit nach dem historischen Vorbild aus dem Jahr 1474 feiern.

"Die Kinder würden sagen, das war ein Loser", gab OB Michael Cerny der Kritik von Hannelore Zapf zur Person Friedrichs durchaus recht. Doch das Festival auf dem Berg war seiner Meinung nach sowohl 2009 als auch 2014 eine tolle Werbung für die Stadt. Aber selbst wenn Friedrich nicht gerade eine schillernde Persönlichkeit der Weltgeschichte gewesen ist, wie Franz Badura (ÖDP) anmerkte, in Amberg wurden nach Meinung der meisten Kulturausschuss-Mitglieder am Vorabend des Dreißigjährigen Krieges durch Christian von Anhalt durchaus die Fäden gesponnen, die zu diesem Weltbrand geführt haben.

Für Amberg von Belang

Gerade für Amberg waren die Ereignisse nach Einschätzung von OB Michael Cerny von sehr großem Belang. "Wir sind als Kriegsbeute nach Bayern gekommen und das hat der Stadt nicht gut getan", erinnerte sich Cerny an die negativen wirtschaftlichen und politischen Folgen zurück, die aus den Geschehnissen rund um den Dreißigjährigen Krieg resultiert hätten. Sein Fazit: Jetzt nicht das Pferd wechseln, das zweimal so erfolgreich geritten ist. Und schon gar nicht eine Landshuter Hochzeit für Arme veranstalten. Welche nach Ergänzung von Judith von Rauchbauer, der Leiterin des Stadtmuseums, das dortige Stadtsäckel jedes Mal mit vier Millionen Euro belastet.

In Amberg sind es gerade einmal 200 000 Euro, die zudem auf zwei Haushalte aufgeteilt werden. Da gebe es ja noch Stellschrauben wie Anzahl der Aufführungen und Kartenpreise, an denen gedreht werden könnten, merkte Kulturreferent Wolfgang Dersch an. "Der Winterkönig", so sein Befund, "hat sehr wohl eine große Dramatik." Die soll nach Mehrheitsentscheidung des Ausschusses gegen Hannelore Zapf und Martin Seibert (beide SPD) auch in fünf Jahren zu erleben sein.
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