Darf's a bisserl mehr sein?

Wohin in welcher Haltung mit den Händen beim Referat? Im Sitzen klappt diese Geste schon ganz gut, sagt aber auch viel über die Anspannung oder Lockerheit aus, erläutert Master-Studentin Eva Sand (links). Bild: Huber

Manches ändert sich nie. Beispielsweise, dass in Klassenzimmern die hinteren Sitzreihen die beliebtesten sind. Selbst wenn diese Gymnasiasten eigentlich immer ganz vorne mitmischen.

(zm) Es sind die besten in der Oberpfalz, wenn sie sich auf Einladung des Ministerialbeauftragten für knapp eine Woche nach Schulschluss zu einem Ferienseminar Hochbegabter im Max-Reger-Gymnasium (MRG) zusammenfinden. Ein gemeinsames Wochenende haben die 30 Jugendlichen schon hinter sich, als sie zu Beginn dieser Woche nach dem Frühstück so langsam in die Pötte kommen.

Das MRG bietet als eines der wenigen noch verbliebenen, staatlichen Internats-Gymnasien beste Voraussetzungen für diese Woche. Denn es steht keineswegs bloße Wissenvermittlung auf hohem Niveau im Mittelpunkt. Die jungen Frauen und Männer, im Durchschnitt sind die 16, 17 Jahre alt, sollen sich untereinander kennenlernen und ohne den Ballast der Aura, zur Schüler-Elite zu gehören, miteinander umgehen und gemeinsam Zeit verbringen.

Stichwort Griechenland

Verplempert werden die Tage dennoch nicht. Das Programm eröffnet inhaltlich und didaktisch Räume, die der Regelschulbetrieb so nicht vorsieht. Der Sonntag galt vor diesem Hintergrund der "Wirtschafts- und Finanzkrise in Europa", Stichwort Griechenland. Das, was am Montag auf dem Stundenplan stand, hätte womöglich schon am Vorabend bei der abschließenden Diskussionsrunde von Nutzen sein können: "Gezielt und sicher referieren und präsentieren. " Seit fünf Jahren gehört dieses Workshop-Seminar zum festen Programm der Woche, und "es wird stets mit am besten bewertet", weiß Jörn Schrader. Er ist Mitarbeiter des Ministerialbeauftragten für die Oberpfalz und betreut das Ferienseminar auch rund um die Uhr vor Ort.

Eva Sand ist zum dritten Mal mit dabei. Mit drei Kommilitoninnen gestaltet die Master-Studentin des Lehrgebiets Mündliche Kommunikation und Sprecherziehung an der Universität Regensburg den Montagvormittag. Zügig gehen es die vier jungen Frauen an und nach wenigen Minuten schon zieht Sand ein erstes ironisch-höhnisches "Ooohh..." auf sich. Die 30 Seminaristen wurden auf vier Gruppen aufgeteilt und die der Master-Studentin sollte zum Einstieg eine Aufgabe lösen: Kurzvorstellung als Person samt Vorlieben und Hobbys, Verweis auf eventuelle Erfahrungen auf dem Gebiet Rhetorik/Sprecherziehung und: "Ihr habt drei Minuten zur Vorbereitung und jeder muss anders anfangen." Sand drängt sich vor. "Ich bin die Eva", schon raunt das "Ooohh ..." als kommunikative Quittung rund um den Stuhlkreis. Das hätte auch etwas spritziger sein können, lautete die Botschaft.

Ohne Extravaganzen

Die Runde ist schnell durch und alles klingt sehr alterstypisch ohne Extravaganzen. Eine der jungen Frauen spielt gerne Schlagzeug und in einer Blaskapelle, eine andere hört ausgiebig Musik, einer der Jugendlichen interessiert sich für große Autos und das Fliegen, der neben ihm sitzende mag Mountain-Biken. Referate haben alle schon machen müssen, insoweit gibt es ein paar einschlägige Erfahrungen mit dem Thema.

Sand und ihre drei Kommilitoninnen haben aber noch viel mehr auf Lager, und ihre Tipps und Tricks - der mit der Büroklammer etwa, weshalb ein DIN-A-5-Kartonpapier als Stichwort-Zettel dienen sollte und wie die vor Anspannung hohe Stimmlage schnell noch herunter kommt - all das kann in einem Gymnasiasten-Leben Gold wert sein.

"Ich weiß, es ist affig, aber es hilft", empfiehlt die Studentin beispielsweise, sich für bestimmte Sprechübungen vor dem Referat noch einmal kurz auf die Schultoilette zurückzuziehen. Im Stuhlkreis ausprobiert, macht es aber sogar noch Spaß und keiner muss sich schämen.
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