Das bisschen Haushalt

Der erste Haushaltskurs für Landwirtstöchter im Schulbezirk Amberg-Sulzbach wurde im Jahr 1915 entlassen. Mit im Bild (ohne Schürze): die Kursleiterin Helene Grasser. Repro: Huber
 
Eine Reise durch die Geschichte der Hauswirtschaftsschule: Was sich in 100 Jahren allein bei den technischen Geräten getan hat, sieht man an diesen Bügeleisen. Bild: Steinbacher

In ihren Gesichtern spiegelt sich kein Lächeln. Die jungen Frauen sitzen akkurat gekleidet mit dunklen Gewändern und weißen Schürzen um einen großen rechteckigen Tisch. Sie hocken dort im Jahr 1915 still und bescheiden. Dabei hätten sie doch allen Grund zur Freude, als erste Abschlussklasse der im Volksmund gemeinhin bekannten Hauswirtschaftsschule.

Doch das Land befindet sich mitten im Ersten Weltkrieg. Und ihr Thema ist der Gemüseanbau. Wer waren diese Frauen? Landwirtstöchter, das ist klar. Was waren ihre Gedanken? Drehten sie sich um die Frage, woher sie die Zutaten für den nächsten Eintopf herbekommen sollten oder um die Nachricht, dass Rosa Luxemburg eine einjährige Haftstrafe antreten muss? Ihr Jahrgangsfoto erschien in der Festschrift, die zum 100-Jährigen der Landwirtschaftsschule erschien. Dieses Jubiläum war vor drei Jahren. Heuer feiert die Abteilung Hauswirtschaft ihr 100-jähriges Bestehen und diese Frauen waren der erste Abschluss-Jahrgang der Schule.

Fliegende Wanderkurse

Viele Ehemalige waren am Freitag in das Gebäude an der Hockermühlstraße gekommen, um Anekdoten auszutauschen. Allen voran stand Edeltraud Gleißner die 1964 bis 2003 Schulleiterin war und einen Rückblick auf 100 Jahre Landwirtschaftsschule, Abteilung Hauswirtschaft, hielt. Alles begann mit den "fliegenden Wanderkursen" von Lehrerin Helene Grasser in Amberg, Sulzbach und Hahnbach. "Zugelassen waren jeweils zwölf bis 14 Mädchen im Mindestalter von 16 Jahren. Helena Grasser war seit 1910 in Cham, Weiden, Neumarkt und Amberg tätig. Das war eine tolle Flexibilität vor dem Ersten Weltkrieg", merkte Gleißner an. Auf dem Unterrichtsplan standen die Zubereitung von Speisen, hauptsächlich aus den Erzeugnissen der eigenen Wirtschaft, Geflügel-, Rinder- und Schweinehaltung sowie die Milchwirtschaft. "Bereits im Herbst wurde das von zwei Schülerinnen gestiftete Obst zu Konserven verarbeitet und dem Reserve-Lazarett geschenkt", erzählte Gleißner.


Gemeinsam mit der heutigen Schulleiterin Ursula Eckl befragte sie die Ehemaligen nach besonderen Erlebnissen. Monika Ruder erinnert sich noch ganz genau: "Wir waren 24 Mädchen. Die eine Gruppe hat gekocht, die andere genäht." Die 86-Jährige fuhr damals jeden Tag von Rosenberg mit dem Zug nach Amberg. Dort befand sich die Schule zur Zeit ihres Jahrgangs 1950/51 in der Steinhofgasse. Theresia Weigl (80) erinnerte sich an ein strenges Regiment. Die Schülerinnen hatten einen Tag Ausgang in der Woche. "Den Parkettboden mussten wir auf Knien putzen." Allerdings habe die Absolventin des Jahrgangs 1955 auch viel fürs Leben gelernt.

Wie schafften sie das?

So wie Hedwig Wittmann (1960/61). Sie erinnerte sich an die große Freude, die sie empfand, als sie auf die Schule gehen durfte. "Meine Mutter und meine Patin lieferten mir den besten Anschauungsunterricht. Sie schafften es, in der schwierigen Nachkriegszeit immer eine vollwertige Mahlzeit auf den Tisch zu bringen. Sie arbeiteten vormittags auf dem Feld mit und trotzdem stand kurz nach Zwölf das Essen auf dem Tisch. Ich fragte mich immer, wie konnten die beiden das schaffen?"

Marianne Lindner (1965/66) blieb auch die Strenge des Internats in Erinnerung. "Wehe wir haben uns bei den Burschen drüben sehen lassen. Das gab ein Donnerwetter." Gegen Ende der 70er Jahre ging es nicht mehr ganz so streng zu. Inge Neiswirth beispielsweise empfand die Internatszeit 2005/2007 als ungeheuer zusammenschweißend.

Und so manche der Damen gab freimütig zu, ihren späteren Ehemann in der Landwirtschaftsschule kennengelernt zu haben.
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