Das ewige Lied von Stop-and-go

Fehlerhaftes System oder Jammern auf hohem Niveau? Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen Grün und Rot. Tiefbauamtsleiter Norbert Füger erklärte im Bauausschuss die Probleme des Ampeldirigenten. Auf insgesamt sechs koordinierten Strecken seien 13 identifiziert worden, drei lassen sich steuerungstechnisch lösen. Bild: Hartl

Es gibt Probleme. Genau 13. Vielleicht auch mehr. Eines davon ist nicht, dass die Amberger 30 Sekunden als zwei Minuten empfinden, wenn sie vor einer roten Ampel stehen. Das wäre zu einfach. Ein Ampeldirigent darf sich nicht auf Gefühle verlassen. Er braucht Freunde. So einen wie Tiefbauamtsleiter Norbert Füger.

Der hatte am Mittwoch im Bauausschuss einen schweren Job. Er musste verteidigen, was Tausende von Amberger verteufeln: die Lichtsignalanlagensteuerung, wie sie im Verwaltungsjargon heißt, manchmal auch "Amberg mobil" genannt. Wo hakt's? Füger hatte sich vorbereitet, selbst ins Auto gesetzt und Kreuzungen testhalber befahren.

Es beginnt 2003

Damit alle die Tragweite des Projekts verstehen, blickte er zurück ins Jahr 2003. "Die Stadt hatte einen 27 Jahre alten Verkehrsrechner. Ein Viertel der Lichtanlagen erfüllten die zu diesem Zeitpunkt gültigen Sicherheitsanlagen nicht, und für die Hälfte standen keine Ersatzteile mehr zur Verfügung." Ziel sei stets eine Optimierung gewesen, nicht nur die grünen Wellen. Dazu sollten auch mehr Verkehrssicherheit, Querungshilfen für Sehbehinderte oder automatisierte Meldung und Fernwartung gehören. Alle Ziele seien erreicht worden - außer eben die Sache, die alle ärgert.

Insgesamt gebe es in Amberg sechs Strecken mit der "grünen Welle", sagte Füger: Bayreuther Straße, Altstadtring Nord, B 85 - West, Regensburger Straße, Krumbacher und Merianstraße sowie Mittlerer Ring. Aus diesen Abschnitten seien 13 Problempunkte bekannt. Der Tiefbauamtsleiter betonte, dass es nicht für alle positive Ergebnisse geben werde: "Unterm Strich können wir drei steuerungstechnisch lösen." Dazu gehöre beispielsweise das rote "Phänomen": Zumeist nach 18 und bis 24 Uhr gibt es eine "rote Welle" vom Bahnhof bis zum Maxplatz.

"Dieses mysteriöse Problem entsteht bei einem ganz bestimmten Programmwechsel", erklärte Füger. Allerdings sei er diesem noch auf der Spur. "Man kann einen Zeitraum von zehn Minuten nachvollziehen, da sitzt man aber dann eineinhalb Stunden dran." Er forderte die Mitglieder des Bauausschusses deshalb dazu auf, ihn sofort zu informieren, wenn sie in dieser Situation waren.

Ein Umbau kostet Geld

Auch ein Problem auf der Strecke B 299 zwischen Erzbergbrücke und Hirschauer Straße sei kurzfristig lösbar: Dabei handelt es sich um Erfassungsprobleme bei der Einmündung zum Langangerweg und die Wartezeiten für die Fahrzeuge. Oder aber die Strecke vom Pflegerkreuz bis zur Deprag: Hier ist im Sommer ein Kreuzungsumbau beim Einfahren aus der Wingershofer Straße, Kochkellerstraße, geplant und somit Verbesserung in Sicht. Der Rest sei durch bauliche Veränderungen zwar machbar, aber auch mit hohen Kosten verbunden - zum Beispiel am Knotenpunkt Kastler/ Fuggerstraße oder die zu kleine Linksabbiegerspur aus der Sulzbacher Straße in Richtung Bahnhof. Norbert Füger betonte, dass es "niemals auf allen Strecken durchgängig, zu jeder Tageszeit und in alle Fahrtrichtungen eine grüne Welle" geben könne. "Der aktuelle Stand liegt je nach dem subjektiven Betrachtungswinkel irgendwo zwischen konkretem, punktuellen Nachbesserungsbedarf und allgemeinem Jammern auf sehr hohem Niveau." Der Tiefbauamtsleiter lobte die Firma Siemens für ihre "beharrliche Unterstützung", während das Planungsbüro aus München kein Interesse an Nachsorge gezeigt habe.

Mehr Verbesserungen

CSU-Stadtrat Helmut Weigl lobte die Verdeutlichung der Komplexität und forderte das Feintuning an der Software. Dieter Amann (SPD) wies auf das seiner Meinung nach größte Problem hin: die Anbindung zur Fuggerstraße. Bürgermeister Martin Preuß signalisierte Bereitschaft, weiteres Geld in die Hand zu nehmen, um mehr Verbesserungen zu erreichen.
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