Das gewisse Händchen

Der Amberger Thomas Schmidt (31) holte beim Endausscheid in Berlin zum Bundeswettbewerb "Bester Schüler in der Alten- und Krankenpflege" den Sieg. Bild: hfz

Deutschlands bester Krankenpfleger ist Amberger - und ein Quereinsteiger. Thomas Schmidt (31) schloss das Studium Patentingenieurwesen ab, und begann noch einmal von vorn. Als Azubi an der Berufsfachschule des Klinikums St. Marien.

Seine Schulleiterin, Claudia Staudinger, schlug ihn für den Wettbewerb des Vereins zur Förderung pflegerischer Qualität vor. Nach Auskunft des Veranstalters beteiligten sich heuer Bildungseinrichtungen mit über 25 000 Schülern in der Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege und Säuglings- und Kinderkrankenpflege sowie aus Modellprojekten der generalistischen Ausbildung. Den Sieg trug Thomas Schmidt aus Amberg davon.

Wie fühlt man sich als Deutschlands bester Krankenpfleger?

(lacht) Ich freue mich riesig über das tolle Ergebnis. Es zeigt mir, dass mein Berufswechsel genau die richtige Entscheidung war und ich meinen Traumjob gefunden habe, bei dem ich Herz, Hand und Verstand einbringen kann. Meine Schulleiterin fragte mich, ob ich mitmachen möchte.

Was mussten Sie dafür tun?

Zunächst einmal bestimmte Voraussetzungen erfüllen, zum Beispiel im zweiten oder dritten Ausbildungsjahr sein oder einen Notenschnitt von mindestens 2,0 haben.

Und beim Vorentscheid?

Der lief in Würzburg. Dort musste ich etwa 50 Fragen mit Multiple-Choice beantworten.

Für Sie kein Problem.

Na ja, doch. Ich war mir zwar oft sicher, aber eben nicht immer. Es wurden Fragen zu verschiedenen Krankheitsbildern gestellt oder zu nationalen Expertenstandards.

Mussten Sie sich darauf extra vorbereiten? Immerhin befinden Sie sich selbst gerade in der Prüfungsphase.

Ich habe ein Buch zur Krankheitslehre gelesen und mich zu den Expertenstandards vorbereitet, weil das oft abgefragt wird. Es stimmt, das fiel zeitlich ziemlich nah zusammen. Meine schriftliche Prüfung an der Berufsfachschule habe ich mittlerweile abgeschlossen. Jetzt fehlen noch der praktische und mündliche Teil.

Der Endausscheidung in Berlin gliederte sich ebenfalls in mehrere Prüfungsteile.

Das stimmt. Die insgesamt 22 Teilnehmer wurden mündlich und praktisch in drei Kategorien geprüft. Im Kolloquium stellten die Prüfer Fragen zu allen Aspekten der Ausbildung wie Hygiene, Krankheitsbilder und Expertenstandards. Im praktischen Teil musste ich einen Patienten ganzheitlich versorgen. Dabei waren gewisse Fallstricke eingebaut.

Zum Beispiel?

Die Dame, die mit Medikamenten zu versorgen war, hatte beispielsweise einen falsch positionierten Katheder. Außerdem waren ihre Fersen gerötet, sie mussten frei gelagert werden. Daneben achtet der Krankenpfleger auch auf sich selbst, also darauf, die Arbeit rückenschonend zu verrichten. Viele Dinge mussten berücksichtigt werden.

Warum ist Krankenpfleger Ihr Traumberuf?

Die Frage ist nicht leicht zu beantworten. Die Entscheidung, nicht im Patentingenieurwesen zu bleiben, war ein längerer Prozess. Mit der Pflege kam ich schon vor meinem Studium an der Ostbayerischen Technischen Hochschule in Berührung: Als Zivildienstleistender bei den Johannitern unterstützte ich alte und kranke Menschen zu Hause. Jahre später nahm ich mir ein Jahr Auszeit vom Studium, um meine Großmutter zu pflegen. Wir hatten ein sehr inniges Verhältnis. Da habe ich gemerkt, dass ich ein Händchen für die Sorgen und Nöte anderer habe und aus dieser Arbeit auch für mich etwas Positives ziehe.

Haben Sie schon Pläne für die Zeit nach der Ausbildung?

Ich werde am Klinikum St. Marien bleiben. Hier habe ich bereits mein Jahrespraktikum absolviert. Jetzt werde auf der Intensivstation beginnen. Eine herausfordernde und spannende Station, die allerdings noch die Möglichkeit bietet, sich einmal Zeit für den Patienten zu nehmen, um beispielsweise einfach Trost zu spenden. Etwas, das leider in unserem Beruf meist Seltenheitswert hat.
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