Das Internet vergisst nicht

Es genügt ein Bild, welches das ganze Leben zerstören kann. Alles, was ins Internet geladen wird, bleibt im Internet.

Bevor es Smartphones gab, hörten Hänseleien für Kinder und Jugendliche nach Schulschluss auf, wenn andere es auf sie abgesehen hatten. Der große Unterschied zum Cyber-Mobbing: Dies passiert rund um die Uhr, der Täter kann seine Identität zumeist verbergen.

Aufklärung vom Fachmann zum Thema Cybermobbing bekamen die Siebtklässler der Dr.-Johanna-Decker-Schulen. Slawomir Siewior, 28-jähriger Realschullehrer und Autor, beschäftigt sich seit vier Jahren mit Mobbing im Internet, was ein extremes Problem darstellt.

Bild schnell verbreitet

Siewior erinnerte an den Fall von Amanda Todd. Die 14-Jährige hatte sich das Leben genommen, nachdem sie mit zwölf Jahren ein Oben-ohne-Foto von sich an einen vermeintlichen Internetfreund verschickt hatte. Dieser in Wahrheit weitaus ältere Mann leitete das Bild an Schüler ihrer Schule weiter. Obwohl das Mädchen mit der Familie mehrmals umgezogen war, hörten die Beleidigungen und obszönen Kommentare nicht auf, da der virtuelle "Freund" sie immer wieder aufspürte und sich das Bild längst verbreitet hatte.

Siewior ging ausführlich auf soziale Netzwerke wie Facebook und Instagram ein. "Es genügt ein Bild, welches das ganze Leben zerstören kann, Alles, was ins Internet geladen wird, bleibt im Internet", warnte er. Wichtig sei, seinen Account so einzustellen, dass er keine Gefahr bedeute. Jugendliche sollten sich zweimal überlegen, welche Kommentare und Fotos sie hochladen. Bereits ein unscheinbares Bikinibild könne viel Schaden anrichten, wenn es in die falschen Hände gerate.

Zum besseren Verständnis der Hintergründe sprach Siewior die Gründe für das sogenannte Sexting (das digitale Verschicken von Nacktbildern) an. Vor allem Mädchen wollten ihrem Freund gefallen oder nicht "uncool" wirken, so dass sie ein freizügiges Bild von sich verschicken. Es sei normal, mit zwölf Jahren solchen Dingen blauäugig gegenüberzustehen. Den Jugendlichen sei nicht klar, welche Konsequenzen dies haben könne. Der Referent rief zu kritischer Wachsamkeit auf, vor allem sollte man niemandem vertrauen, den man nur über das Internet kenne.

Reflektierter Umgang

Es sei nicht sein Ziel, Facebook und Apps schlecht zu machen. Vielmehr solle man sich aufmerksamer und reflektierter im Internet bewegen. Betroffene sollten auf beleidigende Nachrichten nicht reagieren, solche Nachrichten als Beweismittel speichern sowie Hilfe und Unterstützung bei Eltern und Lehrern suchen. Der Vortrag des Experten hatte einige Mädchen sehr nachdenklich gemacht - sie wollten ihre Profile im Internet überdenken.
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